Der Sturz und die Uhr
September 2004
 
Frank Schneider, ein zweieinhalb jähriger Junge, spielte im Wohnzimmer. Plötzlich kam er auf die Idee, das Fenster zu öffnen und sich die Welt aus 25 Meter Höhe anzuschauen, denn Familie Schneider wohnte im achten Stock eines Hochhauses. Frau Schneider, die Mutter des Kindes, stürzte erschrocken aus der Küche. „Frank! Um GOTTES willen, Frank!“


Weiter kam die Frau nicht. Das Herz blieb ihr stehen, als sich Frank umdrehte, von den Worten erschreckt zusammenzuckte — und aus dem Fenster in die Tiefe stürzte ...Frank fiel aus dem achten Stockwerk auf den Boden direkt neben der Eingangstür des Hochhauses, - stand auf und lief die Treppe wieder hoch, so, als ob nichts geschehen wäre.


Bevor Frau Schneider begriff was geschehen war, stand ihr Junge schon draußen vor der Wohnungstür.


Wie unfassbar alles war, schildert auch Mitbewohner: „Ich sah den Jungen wie einen Stein an meinem Fenster vorbeisausen. Ich schaute gar nicht erst aus dem Fenster, sondern rannte gleich hinunter. Aber dem Kind war nichts passiert.“


Der Mann war völlig sprachlos. Er schaute den Jungen von oben bis unten an, befühlte seine Füßchen und Händchen, fragte ihn: „Und dir tut gar nichts weh?“ Und Frank nickte dazu nur.


Eine Lehrerin erzählt die folgende Begebenheit:
„Meine Wohnung war nur wenige Minuten von der Schule entfernt. So konnte ich die Zeit bis kurz vor Unterrichtsbeginn für Hausarbeiten verwenden. 
Eines Tages zeigte meine Uhr zwanzig vor eins. Um ein Uhr begann der Nachmittagsunterricht. Ich war noch in der Küche tätig, als ich die Turmuhr eins schlagen hörte. Wie erschrak ich! Meine Uhr war stehen geblieben. Eilig rüstete ich mich zum Gehen. Schon kam mir die ganze Klasse laut schreiend entgegen. Rasch schloss ich das Schulzimmer auf, doch entsetzt wich ich mit den Kindern vor der Zerstörung zurück, die hier stattgefunden hatte. Das ganze Schulzimmer erfüllte eine dichte Staubwolke, die von der soeben herabgefallenen Decke verursacht worden war. Überall lagen Trümmer der Decke. Aus meinen Augen kamen Tränen, auch die Kinder waren tief erschüttert. Bald wurden einige Stimmen laut: „Ein Engel, hat heute Ihre Uhr gestellt, damit Sie zu spät kamen, und uns die Decke nicht treffen konnte“.

(aus A. M. Weigl, Schutzengelerlebnisse, Grignionverlag, Altötting 1980)