„Ich glaube,
es war wirklich er...“
September 2007
„Gustav war verschwunden.“ In
Windeseile breitete sich diese Neuigkeit im ganzen Dorf
aus. Was würde mit ihm geschehen, mit einem Jungen von
gerade dreizehn Jahren ohne Geld, der von zu Hause
weggelaufen war?
Auf seiner Flucht suchte Gustav in der ersten Nacht eine
Unterkunft auf dem Friedhof eines Dorfes. Irgendwie hatte
er aber kein Glück, denn es regnete sehr stark. Um sich
gegen den Regen zumindest etwas zu schützen, stieg er auf
das Fenstersims der Friedhofskirche und setzte sich in die
Fensternische. Als er sich jedoch an den morschen
Fensterrahmen lehnte, brach dieser und Gustav stürzte
mitsamt dem Fenster in das Innere der Krypta der Kirche.
Glücklicherweise brach er sich nichts, aber er blieb die
ganze Nacht an diesem dunklen Ort. Als am Morgen die Sonne
aufging, stellt er mit großem Schrecken fest, dass er sich
in einer leeren Krypta befand. Das Fenster war in zwei
Meter Höhe.
Er versuchte die Wand hinaufzusteigen, aber weil sie sehr
glatt und feucht war hatte er damit keinen Erfolg. Voller
Verzweiflung begann er zu schreien, es kam aber keine
Antwort. Er schrie Stunden – nichts. Er hörte keine
Schritte, nichts regte sich – eine völlige Stille umfasste
ihn. Schließlich begann er – sozusagen als letzte
Möglichkeit – zu seinem Schutzengel zu beten. Er betete und
schrie den ganzen Tag, bis er keine Kraft mehr zum Schreien
hatte. Dann kam die zweite Nacht in der Krypta.
Gegen Mittag des zweiten Tages öffnete sich plötzlich die
Türe und eine junge Frau mit einem Besen in der Hand trat
durch die Türe. „GOTT sei Dank, es kommt Hilfe“, dachte
Gustav. Aber als die Frau den Jungen sah, bekam sie einen
Schreck, schloss die Türe wieder zu und lief davon. Sie
hatte gedacht, eine Seele aus der anderen Welt zu sehen.
Nach einer langen Zeit hörte Gustav Schritte. Es kamen
starke Männer mit dem Lehrer des Dorfes und seiner Tochter.
Als der Lehrer den Knaben sah, rief er aus: „Du hast aber
Glück gehabt, Wie bist du hier hereingekommen? Die Krypta
wird nur einmal im Jahr geputzt. Heute morgen kam mir der
Gedanke dies heute zu tun, so bat ich meine Tochter darum.“
Da erzählte der inzwischen sehr schwache Gustav unter
Tränen seine Geschichte und wie er dann seinen Schutzengel
gebeten hatte ihn aus diesem Gefängnis zu befreien. Und er
schloss mit den Worten: „Ich glaube es war wirklich er, der
ihnen den Gedanken eingegeben hatte, die Krypta zu
putzen.“