„Lass ihn
nicht in Ruhe!“
September 2008
Die folgende
Schutzengelbegebenheit teilte uns ein Mitbruder, der in der
Mission wirkt mit.
Bei meiner Exerzitientätigkeit in Zentralbrasilien kamen
innerhalb von wenigen Monaten vier Ehefrauen mit dem
gleichen Problem zu mir: Ihr Mann ist Alkoholiker, die
ganze Familie steht ratlos da und keiner weiß mehr, was man
tun soll. Alles gute Zureden schien umsonst und schaffte
nur zusätzlichen Ärger. Einer von ihnen hatte dieses Laster
seit 22 Jahren, verlor deswegen seine Arbeitsstelle, machte
Schulden in der Bar und kam jede Nacht zwischen 2 und 3 Uhr
völlig betrunken nach Hause. In einer Nacht holte er aus
der Küche das größte Messer, das er fand und ging auf die
Leute los. Die ganze Familie bekam eine solche Angst vor
ihm, dass sich alle im eigenen Haus einsperrten. Weil es
der eigene Ehemann bzw. Familienvater war, konnten sie ihn
aber nicht einmal aus dem Haus hinauswerfen.
In allen vier Fällen gab ich ihnen denselben Rat: Rufen sie
öfters ihren hl. Schutzengel an mit den Worten: „Heiliger
Schutzengel, erleuchte, führe und leite ihn, und lass ihn
nicht in Ruhe, bis er sein Leben ändert.“
Zu meinem Erstaunen kamen mit der Zeit alle vier Ehefrauen
zurück und meldeten: „Herr Pater, mein Mann ist vom
Alkoholismus befreit worden!“ In einem Fall kam die
Wandlung nach zwei Monaten Gebet zustande, im anderen Fall
dauerte es drei Monate, im dritten Fall vier Monate, und
bei einem dauerte es zwei Jahre lang - doch dann geschah
ein Wunder: Ein Mann, der 22 Jahre lang nicht mehr in die
Kirche gegangen war, nicht betete und vor der Ehescheidung
stand, hatte zunächst einen so großen Streit in der Bar,
dass er sich geschworen hatte, nie mehr in die Bar
zurückzukehren. Wenn er geschäftlich etwas zu tun hatte,
machte er einen Umweg, um nie mehr an diesen Ort zu kommen.
Er hörte von einem Tag zum anderen auf zu trinken, begann
mit seiner Familie den Rosenkranz zu beten, ging in die
Sonntagsmesse und dann sogar täglich in die hl. Messe; er
machte mit seiner Frau sonntags einen Spaziergang (und das
gab es vorher über 20 Jahre nicht mehr!) und nahm an einem
Einkehrtag in Brasilia teil. Bald darauf besuchte er bei
uns einen dreitägigen Exerzitienkurs. Am Ende der
Exerzitien sagte er mir: „Herr Pater, ich habe nicht
gewusst, dass es in der Kirche so schöne und tiefgründige
Dinge gibt.“