Erscheinung St. Michaels in Siebenbürgen
Dezember 2011

Malloathe, König von Dakien, dem heutigen Siebenbürgen, grämte sich nicht nur über einen Sprachfehler, sondern vor allem, weil es keinen Nachfolger für seinen Thron gab. Die Königin hatte ihm mehrere Kinder geschenkt, aber alle starben nach einem Jahr.

Ein heiliger Mönch empfahl dem König, sich durch tägliches Beten dem Schutz Sankt Michaels anzubefehlen. Der König gehorchte, und nach einigen Monaten brachte die Königin zwei Kinder zur Welt, aber wiederum starben alle beide. Der Herrscher war tief bekümmert und das ganze Königreich litt mit ihm; aber er fuhr fort zu beten. Er ließ die Leichen der Kinder in die Kirche Sankt Michaels tragen und befahl, sie auf den Altar zu legen.

Er betete mit dem ganzen Volk, um eine Gunst des heiligen Erzengels zu erlangen. Er bedeckte sein Haupt mit einem groben Schleier, zum Zeichen seines Schmerzes. Sankt Michael zeigte sich dem König während seines Gebetes: "Ich bin Sankt Michael, Führer der Heerscharen GOTTES", sagte er ihm. "Deine Gebete und die deines Volkes, und auch die, die ich zu deinen Gunsten gebetet habe, sind von GOTT erhört worden, der wünscht, dass diese Kinder leben. Aber du musst dafür ein heiliges Leben führen, deine Sitten und die deines Hofes reformieren.

Höre nicht auf die schlechten Ratgeber, gib der Kirche die Güter zurück, die du dir widerrechtlich angeeignet hast, denn aus all diesen Gründen kommt die Strafe über dich. Blicke nun auf den Altar, deine Kinder leben, und ich selbst werde sie beschützen und am Leben halten.

Auch dein Sprachfehler wird behoben werden, aber sei nicht undankbar angesichts so vieler Wohltaten." Dann segnete ihn der Erzengel, wobei er ein Zepter in der Hand hielt, und verschwand.

(aus: Nicola Rici, Die Erhabenheit des Erzengels St. Michael, 183.)