Den Engel ins Gefängnis gesendet
September 2013

Die Geschichte des russischen Schriftstellers Alexander Ogorodnikov. Vor seiner Bekehrung hat er die Runde in allen nihilistischen und zerstörerischen Philosophien des 20. Jahrhunderts gemacht. Er war Philosophieprofessor. Er hat sich in den 70er Jahren bekehrt, zur selben Zeit wie eine andere Intellektuelle, Tatjana Goritschewa. Er gründete daraufhin ein "Seminar" in Moskau mit Leuten, die gemeinsam beteten, über den Glauben nachdachten, suchten... natürlich auf geheime Weise. Nicht geheim genug jedoch, sodass er mehrmals verhaftet wurde, um schließlich vor die Alternative gestellt zu werden: Exil oder Gefängnis. Alexander lehnte Exil ab und wurde daher eingesperrt. Zehn Jahre lang lernte er verschiedene Formen der Haft kennen: politische Haft, Haft nach bürgerlichem Recht mit den ärgsten Verbrechern und anderen, aber das schlimmste für ihn war, als er zum Schluss in eine Eiszelle gesperrt wurde (die Wände waren mit Eis bedeckt), ganz nackt und in vollkommener Einsamkeit, grauenhaft! Die ärgste Folter. Er wusste, dass er sterben würde. Ich weiß nicht, wie es ihm gelang, seiner Mutter einen Brief überbringen zu lassen, in dem er seine Haftbedingungen beschrieb, seine Agonie, die psychologische Folter, usw. Er flehte seine Mutter an, diesen Brief in den Westen zu schicken. So wurde der Brief in Deutschland und in Frankreich veröffentlicht, im Frühjahr 1986. Tausende Petitionen wurden gesammelt und Alexander wurde freigelassen. Als einer von ihnen, Pascal, diesen Brief in Frankreich entdeckte, weinte er darüber und beschloss mit seiner Verlobten, alle ihre Leiden und ihre Gebete für ihn aufzuopfern. Aber sie beschlossen auch, ihre Schutzengel in seine Zelle zu senden, um ihn zu stärken und ihm helfen zu überleben. Nach seiner Freilassung im Jahre 1986 konnte Alexander 1987 eine Wallfahrt nach Lisieux machen mit seiner Schwester Tamara, einer Missionarin in Russland, die einen Bus für 50 Russen organisiert hatte, um die Kleine Theresa kennen zu lernen und zu ihr zu beten. Man kann die Emotionen nicht beschreiben, als dort Pascal Alexander Ogorodnikov begegnete, dem er gemeinsam mit seiner Verlobten ihren Schutzengel in die Zelle geschickt hatte. Pascal erzählte, wie er jeden Tag seinen Schutzengel geschickt hatte und viele dazu aufrief, dasselbe zu tun. Da vertraute ihm Alexander an, dass in dem Eiskasten, in den man ihn gesteckt hatte um ihn zu töten, er von den Engeln der Christen aus dem Westen besucht worden war, die für ihn beteten. Er spürte die Wärme dieser Engel, die ihn wie einen Mantel umhüllte; er spürte, dass diese Gunst mit dem Gebet dieser Christen zusammenhing. Er verdankte sein Überleben sowohl den Engeln als auch der Wärme des Gebetes, das ihn in seiner Einsamkeit stärkte. Der tieffromme Orthodoxe, der immer noch in Moskau wohnt, machte viele mystische Erfahrungen, als er im Gefängnis und von allem abgeschnitten war.