„Ruf zum heiligen Schutzengel und spring!“
Juni 2005
 
Dieses Schutzengelerlebnis begab sich vor längerer Zeit in Tirol. Es war mitten in der Nacht; da läutete plötzlich die Sturmglocke. Zwei der größten Häuser standen in Flammen. Vor ihnen hatte sich schnell eine große Menschenmenge angesammelt. Zu retten war nichts mehr, denn die Flammen schlugen schon oben zum Dach hinaus. Nur mit knapper Not hatten die Bewohner der beiden brennenden Häuser ihr Leben gerettet.

Doch was ist das? Eben öffnet sich das Dachfenster des einen Hauses. Zwei Kinder schauen heraus: ein Mädchen von acht Jahren und eines von zwölf. Sie hatten dort geschlafen und waren in der Aufregung vergessen worden. Ein furchtbarer Schrecken erfasste die Zuschauer. Das Feuer ist den Kindern so nahe, dass ihre Haare anfangen wollen zu brennen. Da sagt das ältere Mädchen zum jüngeren: „Wir springen herunter. Unser Schutzengel wird uns helfen. Ich will vorausspringen. Wenns mir nichts tut, springst du nach!“ Mit den Worten: „Heiliger Schutzengel, hilf mir!“ sprang das Kind herunter auf die harte Straße. Schaudernd sah es die Menge. Aber, als hätte es jemand heruntergetragen, so kam das Kind unversehrt unten an. Sogleich schrie es voll Freude hinauf: „Hannerl, ruf zum heiligen Schutzengel und komm! Mir hat‘s nichts gemacht!“ Auch dieses Kind sprang mit einem Ruf zum Schutzengel in die Tiefe, ohne die geringste Verletzung zu erleiden. Die Kinder umarmten sich, knieten nieder und dankten ihrem Schutzengel. Unbeschreiblich war die Freude der Eltern und Umstehenden.

Nach: A. M. Weigl,
Schutzengelerlebnisse, Verlag St. Grignionhaus, Altötting, S. 38f.