Die heiligen
Engel in der heiligen Schrift - Teil 6
März
2007
St. Raphael
im Buch Tobit (II)
Im
vergangenen Rundbrief haben wir den ersten Teil des Buches
Tobit betrachtet und gesehen, wie der Erzengel Raphael den
jungen Tobias begleitet, führt, schütz und ermahnt auf
seinem Weg zu Raguel, einem Verwandten Tobias.
Tobias und
Raphael in Ekbatana
Nun kommen die beiden auf ihrer Reise nach Ekbatana zu
Raguel. Seine Tochter ist Sara, die von einem Dämon geplagt
wird. Raphael sagt zu Tobias, dass er mit Raguel reden
will, damit dieser Sara dem Tobias zur Frau gibt.
Tobias hat Angst, aber Raphael erinnert ihn an die
Anweisung seines Vaters (6,16) und im Gehorsam tut Tobias,
was ihm Raphael sagt: „Wenn du in das Brautgemach
gehst, nimm etwas Glut vom Räucherbecken, leg ein Stück vom
Herz und von der Leber des Fisches darauf und lass es
verbrennen! Sobald der Dämon den Geruch spürt, wird er
fliehen und in alle Ewigkeit nicht mehr
zurückkommen.“ (6,17)
Man wird beim Herz und der Leber des Fisches nicht
annehmen, dass sie von Natur aus die Wirkung der
Vertreibung eines Dämons hatten. Man kann sich die Wirkung
aber wie die eines Sakramentales vorstellen. Gott kann
einer natürlichen Sache eine besondere Wirkung gegeben. Wir
kennen z. B. geweihte Medaillen oder die Palmzweige, die
man im Haus auf das Kreuz steckt. Gott gibt (durch Seinen
Segen) verschiedenen Gegenständen eine besondere Kraft, die
sie normalerweise nicht besitzen. Durch dieses Verbrennen
nach Anordnung des Engels, durch diesen „Ritus“ bewirkt
Gott die Verbannung des Dämons.
Was uns St. Raphael hier lehren will, ist der Gehorsam
gegenüber Gott und der Kirche und das Vertrauen auf die
übernatürlichen Hilfsmittel, die Gott uns zu unserem Heil
schenkt. Der heilige Engel sieht ja die Wirkung der
Sakramente und all der Sakramentalien viel besser als wir
und kennt ihren großen Wert. Die Wirksamkeit der
Sakramentalien rührt vom Kreuzesopfer Christi her. Der
Engel lehrt uns, dass die Hingabe an Gott Voraussetzung für
einen fruchtbaren Gebrauch der Sakramentalien ist und dass
wir sie mit Ehrfurcht und im rechten Maß gebrauchen. So
sagte er auch zu Tobias: „Leg ein Stück vom Herz und
von der Leber“ des Fisches auf die Glut. Er
soll nicht verschwenderisch umgehen. Sakramentalien sind
etwas Heiliges. Sie sind zu unserem Gebrauch gegeben, aber
wir dürfen nicht frei nach unserem Gutdünken darüber
verfügen. Wir sind deren Verwalter und nicht deren
Besitzer.
Der heilige Erzengel gibt Tobias für die Brautnacht noch
einen Hinweis: „Wenn du dann zu ihr gehst,
steht beide auf und ruft den barmherzigen GOTT an; er wird
euch helfen und Erbarmen mit euch
haben.“
(6,18) Raphael weist Tobias auf die Heiligkeit der Liebe
zwischen Mann und Frau hin und gibt einen ganz praktischen
Ratschlag. Tobias wird dann diesen Rat befolgen und mit
Sara ein wunderbares Gebet sprechen: „Sei gepriesen, Gott unserer
Väter; gepriesen sei dein heiliger und ruhmreicher Name in
alle Ewigkeit. Die Himmel und alle deine Geschöpfe müssen
dich preisen. Du hast Adam erschaffen und hast ihm Eva zur
Frau gegeben, damit sie ihm hilft und ihn ergänzt. Von
ihnen stammen alle Menschen ab. Du sagtest: Es ist nicht
gut, dass der Mensch allein ist; wir wollen für ihn einen
Menschen machen, der ihm hilft und zu ihm passt. Darum,
Herr, nehme ich diese meine Schwester auch nicht aus reiner
Lust zur Frau, sondern aus wahrer Liebe. Hab erbarmen mit
mir, und lass mich gemeinsam mit ihr ein hohes Alter
erreichen! Und Sara sagte zusammen mit ihm:
Amen.“ (8,5-8)
Das Buch Tobit vermittelt uns ein für die damalige Zeit
sehr hohes Ideal der Ehe, das unserem christlichen Ideal
von der Würde der sakramentalen Ehe schon sehr nahe kommt.
Die Ehe braucht den Segen Gottes damit sie geistlich
fruchtbar werden kann. Aber nicht nur das. Der heilige
Engel weist auch auf Notwendigkeit des Gebets in der Ehe
hin. So ist die eheliche Beziehung gleichzeitig auch eine
Beziehung zu Gott, der den Menschen erschaffen, ja Mann und
Frau füreinander geschaffen hat.
St. Raphael
gibt sich zu erkennen
Blicken wir nun auf den Moment, als sich der Engel Raphael
zu erkennen gibt. Tobias und Raphael kamen nach der
Hochzeit mit Sara nach Ninive zurück. Tobit wird durch die
Galle des Fisches geheilt. Nachdem man die Hochzeit auch in
Ninive gefeiert hat, sagt Tobit zu seinem Sohn Tobias, er
solle nun dem Azarias den Lohn geben, aber nicht kleinlich
sein. Da meint Tobias: „Vater ich werde keinen
Schaden erleiden, wenn ich ihm die Hälfte von all dem gebe,
was ich mitgebracht habe.“ Tobias will mit dem Engel
„Halbe-Halbe“ machen. Tobit und Tobias zeigen dem Begleiter
Wohlwollen. Sie wollen ihm Gutes tun und wollen ihn an dem,
was sie haben, teilnehmen lassen, wie ein Glied der
Familie, wie einen Miterben. Was Tobias aus Medien
mitgebracht hat, war sein eigener Reichtum, das, was er als
Erbe von seinem Vater erhalten hat und auch den Erbteil,
der Sara von ihren Eltern zustand. Die Hälfte von all dem
will Tobias dem Begleiter geben. Es ist wirklich die Hälfte
von allem. Mit anderen Worten, Raphael soll so viel vom
Besitz erhalten, als ob er ein Bruder von Tobias und auch
ein Bruder von Sara wäre - so als ob er ein Glied beider
Familien wäre.
In der Kirche finden wir diese „Gemeinschaft der
himmlischen Güter“ verwirklicht. Wir sind zu Erben des
Himmels geworden – durch Christus. Auch die heiligen Engel
sind in gewisser Weise „Erben Christi“. Denn sie konnten in
ihrer Prüfung nur durch die Gnade Christi bestehen. Wir –
Engel und Menschen – sind bestimmt, die eine himmlische
Seligkeit zu erben. Sie ist unser Erbteil, den Christus uns
zukommen ließ.
Dann gibt sich der Engel zu erkennen und sagt, was ihm als
Engel Freude bereitet: „Preist Gott und lobt Ihn!
Gebt Ihm die Ehre, und bezeugt vor allen Menschen, was er
für euch getan hat. Es ist gut, Gott zu preisen und seinen
Namen zu verherrlichen und voll Ehrfurcht Seine Taten zu
verkünden.“ (12,6) Das ist es was der
Engel von Ihnen als Lohn will. Er ist immer auf Gott
ausgerichtet und will nur Gott geehrt und gelobt wissen.
Er gibt noch weitere wichtige Hinweise und Ratschläge St.
Raphaels im Buch Tobit, die für unser Geistliches Leben
wichtig und hilfreich sind:
•
„Es
ist gut, das Geheimnis des Königs zu
wahren.“ Was Gott in der Seele wirkt,
das soll man in aller Reinheit bewahren und nicht in aller
Öffentlichkeit ausplaudern. Man würde sich selbst entleeren
und dieses Wirken Gottes kaputt machen. Jeder Mensch hat
einen Bereich, wo er mit Gott allein ist und da soll
wirklich nur der Geistliche Begleiter bzw. der Beichtvater
was davon wissen. Man könnte das mit einem Fotoapparat
vergleichen. Wenn man den Film herausnimmt, weil man gleich
anschauen will, wie die Fotos geworden sind, bevor man den
Film zum Entwickeln gibt, so würde man ihn kaputt machen.
Das Geheimnis des Königs soll man wahren.
•
Der nächste Rat
lautet: „Die Taten Gottes aber soll
man offen rühmen.“ Hier handelt es sich um das
äußere Wirken Gottes, das man verkünden soll. Man kann
darin auch das Wort Gottes, die Botschaft von Gott, die
verkündet werden soll, sehen. Gottes Güte und Liebe sollen
wir den Menschen in Wort und noch mehr durch das Beispiel
unseres Lebens verkünden.
•
Der nächste
Ratschlag des Engels für das Geistliche Leben:
„Es ist
gut zu beten und zu fasten, barmherzig und gerecht zu
sein.“
Wir erkennen darin die Ratschläge, die uns gerade für die
Fastenzeit nahegelegt werden: Beten, Fasten und Werke der
Nächstenliebe tun. (vgl. Mt 6, 1-6.16-18)
•
Und dann sagt der
Engel noch, wie er das geistliche Leben begleitet:
„Als ihr
zu Gott flehtet, du und deine Schwiegertochter Sara, da
habe ich euer Gebet vor den heiligen Gott gebracht. Und
ebenso bin ich in deiner Nähe gewesen, als du die Toten
begraben hast. Auch als du ohne zu zögern vom Tisch
aufgestanden bist und dein Essen stehengelassen hast, um
einem Toten den letzten Dienst zu erweisen, blieb mir deine
gute Tat nicht verborgen, sondern ich war bei
dir.“
(12,12-13) Die Hilfe der hl. Schutzengels ist vor unseren
Augen verborgen, aber wirksam. Es ist ein Beispiel für den
so treuen Beistand der heiligen Engel und ihre Sorge für
unser Wohl.
•
Tobit und Tobias
sind natürlich gewaltig erschrocken, als sie erfahren
haben, dass es ein großer Engel ist der vor ihnen steht.
Doch dieser sagt: „Fürchtet euch nicht, Friede
sei mit euch!“ (12,16) Den Frieden wollen uns
die heiligen Engel bringen. Sie haben auch bei der Geburt
des Herrn auf den Feldern von Bethlehem den Hirten Frieden
verkündet. Der Friede des Herzens ist eine Frucht des
Heiligen Geistes und Grundlage für jedes Geistliche Leben.
Gott will uns durch seine heiligen Engel den Frieden
schenken, so wie ihn Tobit und Tobias geschenkt bekommen
haben und auch so, wie die Hirten von Bethlehem dieses
Geschenk empfangen durften.