Die heiligen
Engel in der heiligen Schrift - Teil 9
Dez.
2007
Die hl. Engel
im Leben Jesu Christi (1)
Heute wollen wir unsere „Wanderung“ durch die Heilige
Schrift fortsetzen mit den Evangelien: Was berichten die
vier Evangelisten über die heiligen Engel? Was hat Jesus
selbst über die hl. Engel gesagt und gelehrt durch seine
Worte oder durch sein Beispiel? Wann und wo begegnen wir
den hl. Engeln im Leben Jesu? Das sind die Fragen, die wir
in diesem und in den folgenden Rundbriefen beantworten
wollen.
Der Katechismus der katholischen Kirche widmet diesem Thema
eine eigene Nummer mit dem Titel: „ Christus mit all seinen
Engeln“. Dort heißt es in Nr. 331:
Christus ist das Zentrum
der Engelwelt. Es sind seine Engel: ,,Wenn der Menschensohn
in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm.“ (Mt
25,31).
Sie sind Sein, weil
sie durch Ihn
und auf Ihn hin erschaffen sind: ,,Denn in Ihm wurde
alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und
das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und
Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen“
(Kol 1,16).
Sie sind erst recht deshalb
sein, weil er sie zu Boten
seines Heilsplanes gemacht hat: ,,Sind sie
nicht alle nur dienende Geister, ausgesandt, um denen zu
helfen, die das Heil erben sollen?“ (Hebr 1,14).
In Nr. 332 beschreibt der Katechismus die Sendung und die
Aufgabe der hl. Engel in der ganzen Heilsgeschichte, die ja
auf Christus hingeordnet ist. Dabei spielt auch das Alte
Testament eine große Rolle, denn „d er Heilsplan des Alten
Testamentes war vor allem darauf ausgerichtet, die Ankunft
Christi, des Erlösers von allem, ...
vorzubereiten“ (Dei Verbum 15).
So führt der Katechismus aus:
Sie
[die Engel]
sind da, seit
der Welterschaffung (Vgl. Ijob 38,7, wo die Engel
,,Gottessöhne“ genannt werden) und im Laufe der ganzen
Heilsgeschichte; sie künden von ferne oder von nahe das
Heil an und dienen dem göttlichen Plan, es zu
verwirklichen. Sie schließen das irdische Paradies ab (vgl.
Gen 3,24), beschützen Lot (vgl. Gen 19.), retten Hagar und
ihr Kind (vgl. Gen 21,17.), gebieten der Hand Abrahams
Einhalt (vgl. Gen 22,11), teilen dem Volk das Gesetz mit
(vgl. Apg 7,53), führen das Gottesvolk (vgl. Ex 23,20-23),
kündigen Geburten (vgl. Ri 13) und Berufungen an (vgl. Ri
6,11-24; Jes 6,6), stehen den Propheten bei (vgl. 1 Kön
19,5), um nur einige Beispiele zu nennen. Schließlich
erscheint der Engel Gabriel, um die Geburt des Vorläufers
und die Geburt Jesu selbst anzukündigen (vgl. Lk 1,11.26).
In der Nr. 333 macht der Katechismus einen Abriss über das
ganze Leben Jesu und wie die hl. Engel im Leben Jesu
gegenwärtig sind:
Von der Menschwerdung bis
zur Himmelfahrt ist das Leben des fleischgewordenen Wortes
von der Anbetung
und
dem Dienst
der Engel
umgeben.
Als Gott ,,den
Erstgeborenen in die Welt einführt, sagt er: ,Alle Engel
Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen“‘ (Hebr 1,6). Ihr
Lobgesang bei der Geburt Christi — ,,Ehre sei Gott …“ (Lk
2,14) — klingt im Lobpreis der Kirche weiter. Sie
beschützen Jesus im Kindesalter [Vgl. Mt 1,20; 2,13.19.],
dienen ihm in der Wüste [Vgl. Mk,12; Mt 4,11.], stärken ihn
in der Todesangst [Vgl. Lk 22,43.], und sie hätten ihn auch
— wie einst Israel [Vgl. 2 Makk 10,29-30; 11,8.] — aus der
Hand der Feinde retten können [Vgl. Mt 26,53.]. Die Engel
sind es auch, die ,, evangelisieren“ (Lk 2, 10), indem sie
die frohe Botschaft der Menschwerdung [Vgl. Lk 2,8—14.] und
der Auferstehung [Vgl. Mk 16,5—7.] Christi verkünden. Bei
der Wiederkunft Christi, die sie ankündigen [Vgl. Apg
1,10—11.], werden sie ihn begleiten und ihm bei seinem
Gericht dienen [Vgl. Mt 13,41; 25,31; Lk 12,8—9].
Der Katechismus fasst in diesem Punkt auf wunderbare Weise
zusammen, wie die hl. Engel das Leben und Wirken Jesu durch
ihre Anbetung und ihren Dienst umgeben.
Die vier
Evangelisten
Machen
wir zunächst einen Blick auf das „viergestaltige
Evangelium“, wie der Katechismus die Berichte der vier
Evangelisten nennt. Es ist ein Evangelium aus vier
verschiedenen Blickwinkeln.
Markus
Der
Evangelist Markus erwähnt die Engel in seinem Evangelium
dreimal, nämlich
• am Ende des Berichtes über das
vierzigtägige Fasten Jesu in der Wüste,
• in einem Streitgespräch Jesu
mit den Sadduzäern, und
• nach der Auferstehung Jesu.
Im Martyrium des hl. Markus
aber wird in den «Acta Marci» und im Anschluss daran im
Martyrologium Romanum berichtet, dass er in seinem
Todesleiden von Engeln
gestärkt worden
sei. Wörtlich heißt es zum 25. April im Martyrologium
Romanum: «Zu Alexandrien der Tod des
heiligen Evangelisten Markus. Er war der Schüler und
Dolmetsch des Apostels Petrus. Auf Bitten der römischen
Glaubensgefährten verfasste er sein Evangelium. Daraufhin
ging er nach Ägypten und verkündete als erster zu
Alexandrien Christus und gründete daselbst eine Gemeinde.
Später wurde er wegen seines Glaubens an Christus gefangen
genommen, mit Stricken gefesselt, über Felsenboden
geschleift und dadurch schwer verletzt. Im Kerker wurde er
durch eine Engelserscheinung getröstet. Zuletzt erschien
ihm der Herr selbst und rief ihn ins himmlische Reich. Es
war im achten Regierungsjahr Neros.»
Matthäus
Im
Matthäusevangelium werden am häufigsten von allen vier
Evangelien, nämlich 15-mal, Engel
erwähnt.
Lukas
Auch
der Evangelist Lukas, ein bekehrter heidnischer Arzt aus
Antiochien in Syrien, der treu und opferbereit den
Völkerapostel Paulus auf dessen zweiter Missionsreise in
Kleinasien, Mazedonien und Griechenland begleitete und
schließlich auch zusammen mit Paulus in Rom weilte, hat
nicht bloß in seinem Evangelium,
sondern auch in der von ihm verfassten Apostelgeschichte
sehr oft auf die heiligen Engel
hingewiesen.
Besonders tut er dies in der Kindheitsgeschichte Jesu, wo
er das Erscheinen des Engels Gabriel sowohl vor dem
Priester Zacharias im Tempel (Lk 1,11ff), als auch vor der
seligsten Jungfrau in Nazareth (Lk 1,26ff) ausführlich
schildert.
Johannes
Es ist
nicht viel, was uns der Liebesjünger Jesu Johannes in
seinem Evangelium über die Engel berichtet; eigentlich sind
es nur drei Stellen, nämlich Joh 1,51 (Berufung des
Nathanael); Joh 12,29 (Stimme vom Himmel) und Joh 20,12 ff
(Engelerscheinung vor Maria Magdalena).
Wir wollen nun anhand der Evangelien durch das Leben Jesu
gehen und gemeinsam einige Stellen betrachten, in denen die
hl. Engel eine besondere Rolle spielen und ihnen somit eine
wichtige Aufgabe in der Heilsgeschichte zukommt.
Engel in
Bethlehem
Nicht
nur bei der Menschwerdung (Verkündigung durch St. Gabriel),
sondern auch bei der Geburt Jesu sind die Engel sichtbar
gegenwärtig.
Lukas berichtet von der Erscheinung des Engels und einer
«großen
himmlischen Heerschar» vor den Hirten in Bethlehem.
«In
jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten
Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu
ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie
fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen:
Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große
Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist
euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der
Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen:
Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in
einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein
großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede
bei den Menschen seiner Gnade.» (Lk 2,8-16).
Ein Engel, ja eine großes himmlisches Heer von Engeln waren
also die ersten, die die Frohbotschaft, das Evangelium
verkündeten. Gott hat seine Engel gesandt, um den Menschen
die nahe Erlösung kundzutun.
Jean Danielou sagt: „Das Geheimnis der Engel zu
Weihnachten ist zunächst das der Völkerengel, die das
Gotteskind umringen, das zur Rettung der ihnen anvertrauten
Heidenvölker kam, an die sie bisher vergeblich ihre Mühe
verschwendet haben.“ [Die Sendung der Engel, 41]
Bereits der hl. Hilarius hat in diesem Sinne bemerkt:
„Das
Kommen Christi in die Welt war eine große Freude für jene,
denen die Sorge um Menschen und Völker übertragen
war.“
(Hom XII in Luc.)
Aber das Geheimnis der Weihnachtsengel beschränkt sich
nicht nur darauf. Es erstreckt sich auch auf die
Heerscharen, die mit dem Wort, das Fleisch wird, vom Himmel
herabsteigen, um es mit ihrer Anbetung zu umgeben und ihm
als ihrem Herrn zu dienen (vgl. ebd.)
Gregor von Nazianz nennt die Engel die „Eingeweihten der
Inkarnation“ (mýstides), denen das
Geheimnis, das von Ewigkeit her in Gott verborgen war,
enthüllt wurde. Doch ihnen wurde es nur deswegen
geoffenbart, damit sie seine Boten seien. Dionysius der
Areopagit sagt: „Durch die Vermittlung der
hl. Engel gelangte die Erkenntnis des Geheimnisses Christi
zu uns. So teilte St. Gabriel dem Priester Zacharias mit,
dass sein Kind, das ihm gegen alle Hoffnung und durch
Gottes Gnade geboren würde, der Prophet des
gottmenschlichen Werkes Jesu sei. Gleichfalls ist es
Gabriel, der Maria belehrte, dass sich in ihr das
urgöttliche Geheimnis der unaussprechlichen Menschwerdung
vollziehen sollte. Ein anderer Engel weihte Josef in die
volle und wahrheitsgetreue Erfüllung der göttlichen
Verheißung ein. Wieder ein anderer bringt den Hirten die
frohe Kunde, während der ganze Chor der himmlischen
Heerscharen den Erdbewohnern den feierlichen Lobgesang des
Gloria in excelsis zujubelt.“ (Hier. Cael. IV, 4)
Und Origenes sagt: „Die Engel sind dem Sohne
Gottes als Begleiter zugeteilt worden. Und sie sprechen
untereinander: Wenn er in einem Leib hinabgestiegen ist,
wenn er sich mit sterblichen Fleisch bekleidet hat, was
bleiben wir untätig zurück! Auf ihr Engel, wir alle steigen
vom Himmel herab! so war eine große Menge der Himmlischen
Heerschar da, um Gott zu loben und zu verherrlichen, als
Christus geboren wurde. Alles ist
voller Engel.“ (Hom in Ez. 1,7)