Die heiligen
Engel in der heiligen Schrift - Teil 11
Juni
2008
Die hl. Engel
im Leben Jesu Christi (3)
Im
dritten Teil des Rundbriefes über die hl. Engel im Leben
Jesu sind wir wieder eingeladen, in erster Linie die
angegebenen Stellen in der Hl. Schrift selbst
nachzuschlagen, den Kontext zu lesen und zu betrachten. Es
soll uns helfen, zu erkennen, wie oft und wie intensiv die
hl. Engel im Leben Jesu gegenwärtig sind mit ihrem Schutz,
ihrem Beistand und ihrer Hilfe. Und vor allem dürfen wir
betrachten, was Jesus selbst über die hl. Engel sagt.
Das „Vater
unser“
»Jesus betete einmal an
einem Ort; und als Er das Gebet beendet hatte, sagte einer
seiner Jünger zu Ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon
Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.«
(Lk 11,1) .
Daraufhin hat Jesus den Jüngern das „Vater unser“ gelehrt.
Was hat das mit den heiligen Engeln zu tun? Nun, im Vater
unser beten wir unter anderem: »...dein Wille geschehe wie im
Himmel, so auf der Erden.« (Mt 6, 10) Der Katechismus der
katholischen Kirche erklärt dazu folgendes:
»In der
Heiligen Schrift bezeichnet das Wortpaar ,,Himmel und Erde“
alles, was existiert: die gesamte Schöpfung. .... ,,die
Erde“ ist die Welt der Menschen (Vgl. Ps 115,16) ,,der Himmel“ oder ,,die
Himmel“ ... den eigentlichen ,,Ort“ Gottes - er ist ja
unser ,, Vater im Himmel“ (Mt 5, 16) und folglich auch den
Himmel, der die endzeitliche Herrlichkeit ist.
Schließlich
bezeichnet das Wort ,,Himmel“ den ,,Ort“ der geistigen
Geschöpfe - der Engel -, die Gott umgeben.
(326)
Wenn wir also das Vater unser beten, so bitten wir Gott
darum, dass auf Erden genauso sein heiliger Wille geschehe
wie im Himmel bei den heiligen Engeln. Jesus stellt seinen
Jüngern, indem Er ihnen dieses Gebet lehrt, die Engel im
Himmel als Vorbild des Gehorsams in der Erfüllung des
Willens Gottes hin. So dürfen auch wir, jedes Mal, wenn wir
das Vater unser beten, an die heiligen Engel im Himmel
denken oder auch konkret an unseren persönlichen
Schutzengel, der stets darauf bedacht ist, dem Willen
Gottes bis ins Kleinste zu entsprechen.
Engel in den
Gleichnissen Jesu
Die
Engel kommen auch in den Gleichnissen
Jesu oft vor;
• zweimal im Gleichnis vom
Unkraut:
»Der
Feind, der es [das Unkraut] säte, ist der Teufel, die Ernte
ist die Vollendung der Weltzeit, die Schnitter sind die
Engel.« (Mt 13,39) .- »Der Menschensohn wird seine
Engel aussenden...« (Mt 13,41);
• einmal im Gleichnis vom
Fischernetz:
»Die
Engel werden hingehen und die Bösen von den Gerechten
sondern...« (Mt 13,49).
• Im Gleichnis von
der verlorenen Drachme wird die Freude der Frau, die
die verlorene Drachme wiedergefunden hat gleichgesetzt mit
der Freude der Engel über die Umkehr eines Sünders:
»Ich
sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes
Freude über einen einzigen Sünder, der
umkehrt.« (Lk 15,10)
• Im Gleichnis vom
reichen Prasser und armen Lazarus wird dieser
nach seinem Tod »von den Engeln in Abrahams
Schoss getragen» (Lk 16,22) .
Gerade in diesem letzten Gleichnis wird klar: Die Engel
begleiten uns nicht nur auf unserem Lebensweg, sondern sie
sind auch unsere Fürsprecher, wie es im Buch Hiob heißt:
»Wenn
dann ein Engel ihm zur Seite steht, ein Mittler, einer von
den Tausenden, dem Menschen zu verkünden, was recht ist,
wenn dieser sich erbarmt und spricht: Erlös ihn, dass er
nicht ins Grab absteige, Lösegeld hab‘ ich für ihn
gefunden!« (Hiob
33, 23f.) . So
konnte der hl. Basilius der Große (331-379) die Aussage
prägen: »Einem jeden Gläubigen steht
ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum
[ewigen] Leben zu führen.«
Die Engel wollen uns zum Leben führen. Sie wollen uns zu
Jesus führen, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.
Sie wollen uns zum Ewigen Leben führen, zur ewigen
Glückseligkeit:
Einer der erhebendsten Augenblicke in der katholischen
Begräbnisliturgie ist, wenn der Sarg zum Grab getragen wird
und dabei folgender Text aus der Liturgie gesungen hat:
»Zum Paradies mögen Engel
dich geleiten, die heiligen Märtyrer dich begrüßen und dich
führen in die heilige Stadt Jerusalem.
Die Chöre der Engel
mögen dich empfangen, und durch Christus, der für dich
gestorben, soll ewiges Leben dich erfreuen.«
Engel am
Ölberg
Als
einziger der vier Evangelisten erwähnt Lukas, dass Jesus in
Seiner Todesangst in Gethsemani von einem
Engel
gestärkt wurde:
»Da
erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue)
Kraft.« (Lk 22,43).
Bei seiner Gefangennahme im Ölgarten erwähnt Jesus ebenso
die Engel:
»Da
sagte Jesus zu ihm [Petrus]: Steck dein Schwert in die
Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch
das Schwert umkommen. Oder glaubst du nicht, mein Vater
würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken,
wenn ich ihn darum bitte?« (Mt 26,52-53)
Zwölf Legionen Engel sind eine gewaltige Truppe, wenn man
bedenkt, dass während der römischen Kaiserzeit eine Legion
etwas 6.000 Soldaten zu Fuß und dazu etwa 120 Reiter
umfasste. Zwölf Legionen wären über 70.000 Mann.
Schon zu Beginn seiner Predigttätigkeit wollte man Jesus
töten, nachdem er in der Synagoge von Nazareth gepredigt
und sich als der erwartete Messias geoffenbart hatte. Der
Evangelist Lukas berichtet:
»Als die
Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie
brachten Ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt
erbaut war, und wollten Ihn hinabstürzen. Er aber schritt
mitten durch die Menge hindurch und ging
weg.«
(Lk 4, 28-30)
Seine Stunde war noch nicht gekommen. Erst drei Jahre
später in Jerusalem hat der Herr das Leid und den Tod
freiwillig auf sich genommen, als Sühne, als
Wiedergutmachung für unsere Sünden. So wie in Nazareth so
hätte er auch auf dem Kreuzweg hinauf nach Golgotha einfach
»weggehen« können. Er hätte den Vater um 12 Legionen Engel
bitten können und sie wären Ihm sogleich zu Hilfe geeilt.
Aber der Herr wollte bewusst leiden und für die Sünden der
Welt sühnen. Der Herr ist nicht vom Kreuz herabgestiegen.
Mit welcher Ohnmacht haben wohl die Engel diesem Drama
beigewohnt. Sie, die der Katechismus als
Seine
Engel bezeichnet,
konnten ihrem Herrn nicht helfen, sondern Ihn in seiner
Unbegreiflichkeit und seiner Liebe zur Schöpfung nur
anbeten.
Engel und die
Auferstehung Jesu
In
den Aufehrstehungsberichten der vier Evangelisten gibt es
bezüglich der Engelerscheinungen kleine Unterschiede.
• Bei Markus ist von einem »Jüngling«
die Rede, »der auf der rechten Seite
(des Grabes) in weißem Gewande
dasaß«;
• bei Matthäus
ist ebenfalls nur
von einem Engel
die Rede, dessen
»Aussehen wie ein Blitz und
dessen Gewand weiß wie Schnee war.«
• Bei Lukas
wird berichtet,
dass »zwei Männer in leuchtendem
Gewand vor ihnen (den Frauen)
standen«.
• Johannes
erzählt, dass
»Maria
Magdalena zwei Engel in weißen Gewändern (im Grab) dasitzen
sah, einen zu Häupten und einen zu Füssen der Stelle, an
welcher der Leichnam Jesu gelegen
hatte.«
Diese Unterschiedlichkeiten im Bericht über die
Engelserscheinung im Grab oder am Grab Jesu beeinträchtigt
sicher nicht die Glaubwürdigkeit und Echtheit des
Berichteten. Wichtiger ist die ganze Art und Weise, wie die
Engelserscheinung vor sich ging. Das Äußere des Engels mit
dem weiß glänzenden Gewande gab sicher Maria Magdalena und
den anderen Frauen die Ahnung von einem höheren Boten; noch
mehr das, was er sagte. Ihr erstes Gefühl war darum
heftiges Erschrecken. Dieses aber wollte der
Engel
Maria Magdalena und
den anderen Frauen nehmen, nicht bloß mit den Worten:
»Fürchtet euch nicht! Lasst
euch nicht erschrecken!«, sondern noch mehr mit der
ganzen Art, in der er das Folgende aussprach.
Sogleich begann er nach dem griechischen Originaltext - mit
dem den Frauen so vertrauten Namen Jesus:
»Jesus
sucht ihr!« Dieser Name soll sie sogleich
beruhigen. Sie sollten wissen, dass er der Bote Gottes, im
Namen dessen redet, der ihr Freund war.
Auch die Beinamen für Jesus »den Nazarener, den
Gekreuzigten« tragen der Verwirrung der
Frauen Rechnung. Sie sollten nicht meinen, er spreche von
einem anderen als von Dem, Den sie alle kennen.
Dann aber kommt in einem Wort die ganze unglaubliche
Botschaft dieses Ostermorgens: »Auferweckt ist
Er!« Dem Zustand ihres Gemütes, auch
dem Zustand ihres noch dämmernden Glaubens angepasst ist
diese Form. Es war den Frauen leichter zugänglich, dass der
Gekreuzigte »auferweckt worden
war« -
nämlich von Gott - als dass Er aus eigener Macht
auferstand. Erst später ist der Glaube in ihnen gewachsen,
dass sie auch dies verstehen konnten. Die Beweise, die der
Engel anführte, sind freilich echt »jenseitig«. Rein
negativ wies er hin: Er ist nicht mehr hier, es ist nur
mehr der Ort zu sehen, wohin sie Ihn gelegt haben. Nun
erhielten die Frauen in kurzen, aber feierlich klingenden
Worten den Auftrag an die Jünger. Die ganze Art und Weise,
wie der Engel mit Maria Magdalena und den anderen Frauen so
einfühlsam sprach, ist typisch dafür, wie in der Geschichte
der Heiligen der kommenden Zeiten Engel mit Menschen
verkehrten, auf sie Einfluss nahmen und mit ihnen sprachen.
Nachdem die Engel die Verkünder der Auferstehung Christi
geworden sind, werden sie auch Verkünder der Wiederkunft
Christi. (vgl. Apg
1, 9-11)