Die heiligen
Engel in der heiligen Schrift - Teil 12
September 2008
Die hl. Engel
im Leben der jungen Kirche (1)
Der
Katechismus der katholischen Kirche schreibt in Nummer 334:
„Bis zur Wiederkunft Christi kommt die geheimnisvolle,
mächtige Hilfe der Engel dem ganzen Leben der Kirche zugute
(Vgl. Apg 5, 18-20; 8,26-29; 10,3-8; 12, 6-11; 27,23-25) .
Zu diesem Satz weist, wie wir sehen, der Katechismus auf 5
Stellen in der Apostelgeschichte, die das Leben der jungen
Kirche, der sogenannten „Urkirche“ von Jerusalem und die
Ausbreitung des Glaubens beschreibt. Und tatsächlich: die
Engel spielen in der jungen Kirche eine ganz wichtige und
entscheidende Rolle. Sie sind es, die die Apostel in ihrem
Dienst schützen, begleiten, führen und leiten. So wollen
wir in diesem Rundbrief die hl. Engel im Leben der jungen
Kirche betrachten und wieder das Wort GOTTES selbst
hören...
DER APOSTEL
PETRUS
Die erste Befreiung aus dem Gefängnis
Im
Buch der Apostelgeschichte ist zwei mal von einer
Engelserscheinung vor Petrus die Rede: Das erste Mal dort,
wo berichtet wird, dass sich «der Hohepriester und alle,
die auf seiner Seite standen, nämlich die Gruppe der
Sadduzäer», voll Eifersucht gegen die Apostel erhoben,
wegen der Zeichen und Wunder, die sie wirkten. «Sie ließen
die Apostel verhaften und in das öffentliche Gefängnis
werfen. Ein Engel des Herrn aber öffnete nachts die
Gefängnistore, führte sie heraus und sagte: ‚Geht, tretet
im Tempel auf, und verkündet dem Volk alle Worte dieses
Lebens!’ Sie gehorchten und gingen bei Tagesanbruch in den
Tempel und lehrten.» (Apg 5, 17-21a)
Der Engel befreite die Apostel nicht nur aus dem Kerker,
sondern auch aus der beklemmenden Angst, unter der sie
bisher vielfach gelitten haben. Unter diesen durch den
Engel des Herrn aus der Kerkerhaft befreiten Aposteln ist
sicher Petrus gewesen, wie aus dem vorausgehenden und
nachfolgenden Text des ganzen Berichtes klar wird (Apg
5,21-29) . Dort heißt es: «Man schickte Boten zum
Gefängnis, um die Apostel vorführen zu lassen. Die Diener
gingen, fanden sie aber nicht im Gefängnis. Sie kehrten
zurück und meldeten: Wir fanden das Gefängnis sorgfältig
verschlossen und die Wache vor den Toren stehend; als wir
aber öffneten, fanden wir niemand darin. Der
Tempelhauptmann und die Hohenpriester waren ratlos, als sie
das hörten, und wussten nicht, was nun werden sollte. Da
kam jemand und meldete ihnen: Die Männer, die ihr ins
Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das
Volk. Da ging der Tempelhauptmann mit seinen Leuten hin und
holte sie, allerdings nicht mit Gewalt; denn sie
fürchteten, vom Volk gesteinigt zu werden. Man führte sie
herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester
verhörte sie und sagte: Wir haben euch streng verboten, in
diesem Namen zu lehren; ihr aber habt Jerusalem mit eurer
Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns
bringen. Petrus und die (anderen) Apostel aber antworteten:
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen ...» (Apg
5,21-29).
Beachten wir bei diesem Bericht der Apostelgeschichte nicht
bloß die wunderbare Befreiung des Petrus und der anderen
Apostel durch einen Engel, sondern auch die Tatsache, dass
Petrus und die anderen Apostel dem Auftrag des Engels:
«Geht, tretet im Tempel auf und verkündet dem Volk alle
Worte dieses Lebens!» genau entsprachen: «Sie gehorchten
und gingen bei Tagesanbruch in den Tempel und lehrten» (Apg
5,20-21).
Die zweite
Befreiung aus dem Gefängnis
Eine
zweite Befreiung des Apostels Petrus durch einen Engel wird
in der Apostelgeschichte noch ausführlicher und konkreter
beschrieben: König Herodes lies Petrus verhaften und ins
Gefängnis werfen. «Die Bewachung (des Petrus)
übertrug Herodes vier Abteilungen von je vier Soldaten. ...
Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott. In der
Nacht, ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte, schlief
Petrus, mit zwei Ketten gefesselt, zwischen zwei Soldaten;
vor der Tür aber bewachten Posten den Kerker. Plötzlich
trat ein Engel des Herrn ein, und ein helles Licht strahlte
in den Raum. Er stieß Petrus in die Seite, weckte ihn und
sagte: ‚Schnell, steh auf!‘ Da fielen die Ketten von seinen
Händen. Der Engel aber sagte zu ihm: ‚Gürte dich und zieh
deine Sandalen an!‘ Er tat es. Und der Engel sagte zu ihm:
‚Wirf deinen Mantel um und folge mir!‘ Dann ging er hinaus,
und Petrus folgte ihm, ohne zu wissen, dass es Wirklichkeit
war, was durch den Engel geschah; es kam ihm vor, als habe
er eine Vision. Sie gingen an der ersten und an der zweiten
Wache vorbei und kamen an das eiserne Tor, das in die Stadt
führt; es öffnete sich ihnen von selbst. Sie traten hinaus
und gingen eine Gasse weit; und auf einmal verließ ihn der
Engel.
Da kam Petrus zu sich und sagte: ‚Nun weiß ich wahrhaftig,
dass der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des
Herodes entrissen hat und all dem, was das Volk der Juden
erhofft hat.‘ Als Petrus sich darüber klar geworden war,
ging er zum Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem
Beinamen Markus, wo nicht wenige versammelt waren und
beteten.
Als er am Außentor klopfte, kam eine Magd namens Rhode, um
zu öffnen. Sie erkannte die Stimme des Petrus, doch vor
Freude machte sie das Tor nicht auf, sondern lief hinein
und berichtete: ‚Petrus steht vor dem Tor.‘ Da sagten sie
zur ihr: ‚Du bist nicht bei Sinnen.‘ Doch sie bestand
darauf, es sei so. Da sagten sie: ‚Es ist sein Engel.‘
Petrus aber klopfte noch immer. Als sie öffneten und ihn
sahen, staunten sie. Er gab ihnen mit der Hand ein Zeichen
zu schweigen und erzählte ihnen, wie der Herr ihn aus dem
Gefängnis herausgeführt hatte. Er sagte: ‚Berichtet das dem
Jakobus und den Brüdern!‘ Dann verließ er sie und ging an
einen anderen Ort» (Apg 12,1-17) .
Man könnte fragen, warum der Engel den Apostel Petrus nicht
auch später in Rom befreite, sondern ihn im Gegenteil der
Mörderhand überließ. Der Grund dafür ist, dass die Engel
„nur“ treu die Pläne der göttlichen Vorsehung, den Willen
Gottes erfüllen. Petrus, der in Jerusalem zweimal durch
einen Engel aus der Kerkerhaft befreit worden war, wurde
aus dem Mamertinischen Kerker in Rom nicht mehr befreit und
den Händen des grausamen Kaisers Nero nicht entrissen.
Diesmal sollte Petrus nach dem Willen Gottes vielmehr das
Blutzeugnis des Martyriums ablegen und jenes Versprechen
einlösen, das er in der Gründonnerstagsnacht gegeben hatte,
aber nicht halten konnte: «Herr, ich bin bereit, mit Dir
sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen!» (Lk 22,33) .
Ja, nach Ostern hat Jesus selbst ihm beteuert: „Als du
jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest,
wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du
deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten
und hinbringen, wohin du nicht willst.“ (Jo 21,18).
Aus dem Bericht über die zweite Befreiung des hl. Petrus
durch einen Engel sollten wir noch das Eingeständnis des
Apostelfürsten nach der wunderbarer Befreiung bedenken:
«Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel
gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat» (Apg
12,11) . Ist es nicht auch bei uns mitunter so, dass wir
erst im Nachhinein einsehen und begreifen: Da ist uns
wirklich ein Engel Gottes zu Hilfe gekommen, hat uns
geführt und aus einer bestimmten Notsituation oder Gefahr
herausgeführt und befreit? Wir sollten aber gläubig
überzeugt sein, dass ein Engel Gottes, der Schutzengel,
immer an unserer Seite ist und uns führt!
Zuletzt gehört auch noch der Ausruf der im Hause der Mutter
des Evangelisten Markus versammelten Gläubigen beachtet,
die bei der Ankündigung, dass Petrus draußen vor der Türe
stehe, meinen: «Es ist sein Engel!» Dieser Reaktion ist ein
sicheres wahrnehmbares Zeichen für den Glauben der ersten
Christen an die Wahrheit, dass jedem Menschen ein
Schutzengel an die Seite gestellt ist, der in gegebenen
Situationen den ihm anvertrauten Menschen vertritt. Und sie
ist ein Argument für die enge Beziehung, die die ersten
Christen mit den hl. Engeln pflegten. Mit der größten
Selbstverständlichkeit der Welt sagen sie: „Es ist sein
Engel...“ – Keine Überraschung, kein Erschrecken! Es ist
sein Engel! Könnten nicht auch wir zu einem so vertrauten
Umgang, besonders mit unserem eigenen Schutzengel finden?