Die heiligen Engel in der heiligen Schrift Teil 14
März 2009

Die hl. Engel im Leben der jungen Kirche (3)

DER VÖLKERAPOSTEL PAULUS

Wie beim hl. Petrus oder anderen Verkündern des Glaubens in der jungen Kirche, so fehlt es auch in der gewaltigen Mission des Völkerapostels Paulus nicht an Interventionen der hl. Engel. Außerdem spricht der hl. Paulus in seinen Briefen gar nicht selten, wenn auch meist nur in Verbindung mit Christus, von den Engeln. Es würde den Rahmen eines Rundbriefes sprengen, auf jede Stelle einzeln einzugehen, besonders auf Grund der theologischen Reichhaltigkeit. So wollen wir uns damit begnügen, wichtige Stellen anzuführen und zusammenzufassen mit der Einladung, selbst die einzelnen Paulusbriefe in der persönlichen geistlichen Lesung zu vertiefen, besonders die Stellen über die hl. Engel.

Paulus hat sicher schon vor seiner Bekehrung an die Existenz der Engel geglaubt, sei es auf Grund seiner großen, in der Schule Gamaliels erworbenen Schriftkenntnis, sei es auf Grund der Tatsache, dass er zur Gruppe der Pharisäer gehörte, die - im Gegensatz zu den Sadduzäern - von der Existenz der Engel
ganz und gar überzeugt waren. Paulus rühmte sich dessen ausdrücklich vor dem Hohen Rat. Die Apostelgeschichte berichtet von einem Streit zwischen Pharisäern und Sadduzäern vor dem Hohen Rat, den der verhaftete Paulus sehr klug „angezettelt“ hatte: Es heißt dort abschließend: «Die Sadduzäer behaupten nämlich, es gebe weder eine Auferstehung noch Engel noch Geister, die Pharisäer dagegen bekennen sich zu all dem. Es erhob sich ein lautes Geschrei, und einige Schriftgelehrte aus dem Kreis der Pharisäer standen auf und verfochten ihre Ansicht. Sie sagten: Wir finden nichts Schlimmes an diesem Menschen [an Paulus]. Vielleicht hat doch ein Geist oder ein Engel zu ihm gesprochen.» (Apg 23,8)

Als der Streit heftiger wurde, befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreißen. Daher ließ er die Wachtruppe kommen und ihn mit Gewalt aus ihrer Mitte herausholen. In der folgenden Nacht im Gefängnis aber trat der Herr zu Paulus und sagte: «
Hab Mut! Denn so wie du in Jerusalem meine Sache bezeugt hast, sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen.» (Apg 23,11)

Er tat es dann auch in der Überzeugung, die er im Römerbrief (8, 38-39) mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht hatte: «
Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.»

Bevor Paulus aber nach Rom kam, um dort für Christus Zeugnis abzulegen und den Martyrertod zu sterben, erlebte er noch auf der abenteuerreichen Schifffahrt nach Rom die Intervention eines heiligen Engels.
Als nämlich das Schiff, auf dem er sich als Gefangener befand, in der Nähe von Malta in einen furchtbaren Sturm geriet und die hoffnungslose Lage eine verzweifelte Stimmung an Bord hervorrief, da wurde das Schiff zwar nicht durch einen Engel vor der Zertrümmerung bewahrt und Paulus nicht - wie Petrus zweimal in Jerusalem - aus den Händen seiner Feinde befreit; wohl aber verkündete ein Engel dem hl. Paulus: «Fürchte dich nicht, Paulus! Du musst vor den Kaiser treten. Und Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren.» (Apg 27,24).
In den folgenden Tagen, die dem hl. Paulus, der Mannschaft und den Begleitsoldaten weder die Schrecken eines Schiffbruchs noch eine Bordmeuterei ersparten, hielt allein der Glaube an die Verheißung des
Engels den hl. Paulus in allen kritischen Situationen aufrecht und gab ihm eine Überlegenheit, der sich sogar der Hauptmann der römischen Wache beugte. Paulus sagte zu seinen Schicksalsgenossen auf dem sturmgepeitschten Schiff: «Ich ermahne euch: Verliert nicht den Mut! Niemand von euch wird sein Leben verlieren, nur das Schiff wird untergehen. Denn in dieser Nacht ist ein Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, zu mir gekommen und hat gesagt: Fürchte dich nicht, Paulus! Du musst vor den Kaiser treten. Und Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren. Habt also Mut, Männer! Denn ich vertraue auf Gott, dass es so kommen wird, wie mir gesagt worden ist.» (Apg 27, 22-25). Es kam dann zum Schiffbruch vor Malta, dessen Schilderung in der Apostelgeschichte (27,27-44) abgeschlossen wird mit der Feststellung, «dass alle ans Land gerettet wurden».

War der
Engel, der mit dem hl. Paulus gesprochen hat, sein Schutzengel? Vermutlich ja. Die ganze Art aber, wie Paulus nicht vor dem Schiffbruch, sondern nur nach dem Schiffbruch gerettet wurde, erinnert an das, was der hl. Paulus selbst im Hebräerbriefe über die Aufgabe der Engel geschrieben hat: «Sind sie nicht alle nur dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen?» (Hebr 1,14). Die hl. Engel wollen uns dazu erziehen, das Kreuz in unserem Leben anzunehmen, im Wissen, dass Gott immer aus Liebe handelt und nur das Beste für uns will. Aber: Gottes Pläne sind oft „langfristiger“ als unsere eigenen Pläne. Was für Gott und somit auch für unseren Schutzengel wichtig ist, ist unser ewiges Heil. Daraus wird auch verständlich, dass die hl. Engel uns nicht immer vor dem Kreuz „bewahren“ können bzw. wollen und uns gewiss nicht helfen, dem täglichen Kreuz aus dem Weg zu gehen.

Das ewige Heil der Menschen ist also vorrangige Aufgabe aller heiligen Engel und somit auch des Schutzengels. Nicht um ihre Schützlinge vor Versuchungen, Leid und Not zu behüten, um ihnen Schmerzen zu ersparen oder zur Erlangung irgendeines irdischen Vorteils, stehen die Engel an der Seite der ihnen anvertrauten Menschen, sondern um sie auf dem Weg, den ihnen der Wille Gottes vorgezeichnet hat, zu Gott und zum Heil zu führen. Die Engel sehen auch das zeitliche Heil der ihnen anvertrauten Menschen mit den Augen dessen, der sie gesandt hat, das heißt, sie sehen es unter dem Gesichtspunkt des letzten, ewigen Zieles der Menschen.

Paulus weist auf die
Engel vor allem dort hin, wo er auf Christus, den präexistenten, menschgewordenen, gekreuzigten und erhöhten Herrn, zu sprechen kommt. So betont er im Kolosserbrief (1,16): «Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.» Hier betont Paulus, dass alle Engel, ob sie nun in der Prüfung treu blieben oder aus eigenem Willen gefallene Engel geworden sind, durch den präexistenten Christus geschaffene Mächte sind und der Herrschaft Christi unterstehen, der sie ins Dasein rief.

Der auferstandene und erhöhte Herr Jesus Christus ist nach dem Epheserbrief (1,21)
«erhaben über alle Herrschaften, Mächte, Kräfte und Gewalten, und über jeden Namen, nicht nur in dieser, sondern auch in der künftigen Welt». Hier zählt also Paulus einzelne Chöre der Engel auf, über die Christus erhaben ist, deren Haupt Er in seinem „Mystischen Leib“ ist.

Wie sehr die
Engel mit Christus verbunden sind, zeigt Paulus auch im Hinweis darauf, dass sie einmal bei der Parusie, der Wiederkunft Christi, mit Christus kommen werden: «Wenn sich Jesus, der Herr, vom Himmel her offenbart mit dem Heer seiner Engel in einer Feuerflamme, um Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen und die der Heilsbotschaft von Jesus, unserem Herrn, nicht Gehör schenken, werden sie zur Strafe ewiges Verderben empfangen, fern vom Angesicht des Herrn und seiner erhabenen Macht, da Er kommt an jenem Tag, um seine Herrlichkeit zu erweisen...» (2 Thess 1,7).

Aber nicht bloß bei der Parusie des Herrn werden mit Ihm die
Engel kommen, sie sind schon mitten unter uns gegenwärtig, vor allem beim Gottesdienst. Die Ehrfurcht vor der Gegenwart der heiligen Engel diktierte dem hl. Paulus die sicher zeitbedingte Mahnung, dass die Frauen einen Schleier auf ihrem Haupt tragen sollen «um der Engel willen» (1 Kor 11,10). Es steht da sicher die Überzeugung des Apostels dahinter, dass die Frau (und letztlich jeder Gläubige) ehrfürchtig erscheinen soll aus Respekt vor den Engeln, die in der religiösen Versammlung unsichtbar gegenwärtig und jedem Menschen nahe sind.

Im Hebräerbrief drückt es Paulus noch kräftiger aus: «
Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott, dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus, und zum Blut der Besprengung, das mächtiger ruft als das Blut Abels.» (Hebr 12, 22-24)

Jeder Bischof wird zuletzt u.a. auch mit dem Hinweis auf die heiligen
Engel zur treuen, gewissenhaften Erfüllung seiner Amtspflichten ermahnt: «Ich beschwöre dich bei Gott, bei Christus Jesus und bei den auserwählten Engeln: Befolge dies alles ohne Vorurteil, und vermeide jede Bevorzugung!» (1 Tim 5,21). Es handelt sich hier sogar um eine „Beschwörung“, bei der die heiligen Engel an die Stelle des Heiligen Geistes neben den Vater und den Sohn treten, weil Paulus sie offenbar als besondere Diener des Heiligen Geistes sieht.

Am Ende seiner Wege sagte der hl. Paulus über sich: „
Ich wurde eingesetzt… als Lehrer der Völker im Glauben und in der Wahrheit“ (1 Tim 2, 7; vgl. 2 Tim 1, 11). Papst Benedikt sagt über diese Stelle:
«Lehrer der Völker – Apostel und Verkünder Jesu Christi nennt er sich im Rückblick auf seinen Lebensweg. Aber der Blick geht dabei nicht nur in die Vergangenheit. Lehrer der Völker – dieses Wort öffnet sich in die Zukunft hinein auf alle Völker und Generationen hin. Paulus ist für uns nicht eine Gestalt der Vergangenheit, derer wir achtungsvoll gedenken. Er ist auch unser Lehrer … und Verkünder Jesu Christi.» (Predigt, Feierliche Vesper zur Eröffnung des Paulusjahres, 28. Juni 2008)

Mögen die Worte des hl. Paulus auch für uns richtungsweisend sein „in die Zukunft hinein“, für unser persönliches Geistliches Leben, für unser Zusammenleben mit den hl. Engeln.