Das »Jahr Der
Priester« im Opus Angelorum
Dezember 2009
Teil 2: Die
Hilfe der hl. Engel im priesterlichen Dienst
Unser Heiliger Vater, Papst
Benedikt XVI., hat das »Jahr der Priester« nicht allein für
die Priester ausgerufen. Es ist folglich auch ein
Gnadenjahr für die ganze Kirche, für jeden Gläubigen. Wir
Mitglieder im Werk der hl. Engel wollen dieses Jahr mit
besonderem Eifer begehen, angesichts der Tatsache, dass
sich das OA von den Anfängen an besonders um die Heiligung
und die Unterstützung der Priester bemühte – in Gebet,
Sühne und konkreter Priesterhilfe. Deshalb ist es auch für
die Laien wichtig, das Sakrament des Priestertums und somit
das priesterliche Sein und Tun immer besser kennen zu
lernen, um es so besser zu verstehen und den Priestern
eifriger und wirksamer helfen zu können. Besonders für uns
im Werk der hl. Engel ist es in diesem »Jahr der Priester«
mehr als angebracht, über die Hilfe der hl. Engel im
priesterlichen Leben und Dienst nachzudenken.
Gewiss könnten viele Priester ein lebendiges Zeugnis geben
von der Hilfe der hl. Engel und besonders des Schutzengels
in ihrem Leben und in ihrer Aufgabe als Priester und
Seelsorger. Viele heilig gesprochene und heiligmäßige
Priester hatten eine ganz große Verehrung für die heiligen
Engel und berichten von zahlreichen Erlebnissen, in denen
die hl. Engel in ihrem priesterlichen Dienst geholfen
haben. Denken wir nur an den hl. P. Pio, den hl. Petrus
Canisius oder den hl. Franz von Sales.
Papst Benedikt XVI. weihte am Erzengelfest 2007 sechs
Priester zu Bischöfen. In seiner Predigt sagte er: «Wir
feiern diese Bischofsweihe am Fest der drei Erzengel, die
in der Schrift mit Namen erwähnt werden: Michael, Gabriel
und Rafael. Dies ruft uns in Erinnerung, dass in der alten
Kirche – bereits in der Geheimen Offenbarung – die Bischöfe
als »Engel« ihrer Kirche bezeichnet wurden, womit eine
tiefe Übereinstimmung zwischen dem Dienst des Bischofs und
der Aufgabe des Engels zum Ausdruck gebracht wird. Von der
Aufgabe des Engels her lässt sich der Dienst des Bischofs
verstehen.»
Was Papst Benedikt hier vom Bischof, der die Fülle des
Weihesakramentes empfangen hat, sagt, dürfen wir sicher
auch analog vom Priester behaupten. Er soll „Engel“ seiner
Pfarre sein, Schutzengeldienst an den ihm Anvertrauten
leisten, besonders im Gebet. So erklärt Papst Benedikt
weiter: «Wenn die alte Kirche die Bischöfe »Engel« ihrer
Kirche nennt, will sie damit sagen: Die Bischöfe selbst
müssen Männer Gottes sein, müssen ihr Leben auf Gott
ausrichten. »Multum orat pro populo – Er betet viel für das
Volk«, heißt es im Brevier der Kirche in Bezug auf die
heiligen Bischöfe. Der Bischof muss ein Beter sein, der bei
Gott für die Menschen eintritt. Je mehr er das tut, um so
mehr versteht er auch die Menschen, die ihm anvertraut
sind, und kann für sie zu einem Engel werden – zu einem
Boten Gottes, der ihnen hilft, ihr wahres Wesen, sich
selbst, zu finden und die Idee zu leben, die Gott von ihnen
hat.»
Der priesterliche Dienst oder man könnte auch sagen das
priesterliche Leben wurde von alters her in drei große
Bereiche oder Aufgaben eingeteilt, die mit griechischen
Wörtern bezeichnet werden, die uns allerdings sehr vertraut
sind:
«Liturgia»
Der
erste Bereich nennt sich „liturgia“, also die Liturgie, man
könnte sagen, der Gottesdienst im weitesten Sinn. Dazu
gehört nicht nur die hl. Messe oder die Feier der
Sakramente sondern auch das persönliche geistliche Leben
des Priesters: das Gebet, die eucharistische Anbetung, die
Geistliche Lesung. Letztlich sollte alles Tun und Sein des
Priesters „Liturgie“ sein, ein einziger großer
„Gottesdienst“. Hier sind die hl. Engel große Vorbilder:
«Der Engel ist ein Geschöpf, das vor Gott steht und mit
seinem ganzen Sein auf Gott ausgerichtet ist (liturgia).
Alle drei Namen der Erzengel enden mit dem Wort »El«, was
»Gott« bedeutet. Gott ist in ihre Namen, in ihr Wesen
eingeschrieben. Ihr wahres Wesen ist das Dasein vor Ihm und
für Ihn.» (Benedikt XVI., Predigt,
29.9.07)
«Martyria»
Der
zweite große Bereich nennt sich „martyria“. Von diesem Wort
leitet sich der Begriff Märtyrer bzw. Martyrium ab. Das
bedeutet nicht, dass der Priester verpflichtet ist, nach
dem Martyrium, der äußeren Hingabe seines Lebens, zu
streben. „Martyria“ heißt eigentlich: Zeugnis geben,
Zeugnis ablegen für Christus. Zu diesem Bereich gehören
somit die Verkündigung des Wortes Gottes und das
persönliche Lebenszeugnis des Priesters für Gott. Jeder
Christ, aber besonders der Priester, soll eine lebendige
Predigt sein. Sein ganzes Leben soll die Menschen auf
Christus hinweisen, dessen Zeuge er ist. Auch hier sind die
hl. Engel Vorbilder. Der Katechismus der katholischen
Kirche beschreibt diese Aufgabe der Verkündigung durch die
Engel folgendermaßen:
«Von der Menschwerdung bis zur Himmelfahrt ist das Leben
des fleischgewordenen Wortes von der Anbetung und dem
Dienst der Engel umgeben. Als Gott „den Erstgeborenen in
die Welt einführt, sagt er: ‚Alle Engel Gottes sollen sich
vor ihm niederwerfen‘“ (Hebr 1, 6). Ihr Lobgesang bei der Geburt
Christi – „Ehre sei Gott...“ (Lk 2, 14) – klingt im Lobpreis der Kirche
weiter. Sie beschützen Jesus im Kindesalter, dienen ihm in
der Wüste, stärken ihn in der Todesangst, und sie hätten
ihn auch – wie einst Israel – aus der Hand der Feinde
retten können. Die Engel sind es auch, die
„evangelisieren“, indem sie die frohe Botschaft der
Menschwerdung und der Auferstehung Christi verkünden. Bei
der Wiederkunft Christi, die sie ankündigen, werden sie Ihn
begleiten und Ihm bei Seinem Gericht dienen.»
(KKK 333)
«Diakonia»
Der
dritte Bereich nennt sich „diakonia“. Wir kennen diesen
Begriff von den Diakonen. „Diakonia“ heißt Dienst. So ist
das priesterliche Leben ein Dienst. Der Priester ist Diener
Gottes, Diener der ihm anvertrauten Menschen, besonders der
Armen und der Kranken. Er ist Diener der Sakramente, die er
spendet und verwaltet. Er ist als Leiter seiner Gemeinde
immer auch Diener und nicht Herr. Auch hier sind die Engel
große Vorbilder, besonders in ihrem Schutzengel-Dienst!
Papst Benedikt sagt: «Die Engel sprechen zum Menschen von
dem, was sein wahres Sein ausmacht, von dem, was in seinem
Leben so oft zugedeckt und begraben ist. Sie rufen ihn auf,
wieder zu sich zu kommen, indem sie ihn von Gott her
berühren. In diesem Sinn sollten auch wir Menschen immer
wieder füreinander Engel werden – Engel, die uns von den
falschen Wegen abbringen und uns immer von neuem auf Gott
ausrichten.» (Benedikt XVI., Predigt,
29.9.07)
Priesterlicher
Dienst und Schutzengeldienst
Wenn
wir uns fragen, wie die hl. Engel im Dienst der Priester
mitwirken, fällt auf, dass der priesterliche Dienst dem
Dienst der Engel sehr ähnlich sind. Man könnte sagen,
Schutzengeltum und Priestertum haben letztlich die selben
Ziele, oder sagen wir besser, das selbe Ziel, nämlich Gott.
Der Katechismus der katholischen Kirche zitiert einen
wunderbaren Satz des hl. Basilius . Dieser sagte: ,,Einem
jeden der Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und
Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen“
(Basilius, Eun.
3,1).
Gott ist das Leben, das ewige Leben, das letzte Ziel und
Glück des Menschen. Und die Aufgabe des Engels ist, uns zu
Gott zu führen. Dieselbe Aufgabe hat der Priester. Er ist
Mittler zwischen Gott und den Menschen. Seine Aufgabe ist
es, die ihm anvertrauten Menschen zu Gott zu führen.
(Thomas von Aquin,
S.T., III, q 22, a.1, ad1)
Denken wir an den hl. Pfarrer von Ars. Er wurde nach seiner
Priesterweihe nach Ars gesendet, einem kleinen Dorf bei
Lyon in Frankreich. Er war zu Fuß auf dem Weg in seine neue
Pfarre. Weil er nicht sicher war, ob er auf dem richtigen
Weg war, fragte er einen Buben, den er zufällig traf:
„Kannst Du mir den Weg nach Ars zeigen?“ Als dieser ihm
bereitwillig hilft, dankt ihm der neue Pfarrer mit einem
Versprechen: „Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt, dafür
zeige ich Dir den Weg zum Himmel.“ Dazu ist der Priester
berufen und geweiht und gesendet.
Wir sehen: der priesterliche Dienst ist dem Dienst der
Engel sehr ähnlich. So heißt es im Hebräerbrief über die
Engel: „Sind sie nicht alle dienende Geister, ausgesandt,
um denen zu helfen, die das Heil erben sollen?“
(Hebr 1,
14). Das
selbe könnten wir vom Priester sagen. Ist er nicht von Gott
geweiht, denen zu helfen und zu dienen, die das Heil erben
sollen...? Ist es nicht Gott selbst, der durch den Priester
die Kirche belebt und auferbaut.? Wir dürfen auf die
Gegenwart Gottes in der Kirche vertrauen, der sie durch den
Dienst der heiligen Engel (und der Priester und letztlich
aller Gläubigen) belebt und auferbaut. (Vgl. Pastor Hermae, Visiones
III,4,1-2; Similitudines IX,12,6.)
Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt: «Die
geheimnisvolle, mächtige Hilfe der Engel kommt dem ganzen
Leben der Kirche zugute. In ihrer Liturgie vereint sich die
Kirche mit den Engeln, um den dreimal heiligen Gott
anzubeten; sie bittet um deren Beistand.»
(334 und
335) und
«sie [die Engel] stehen der Kirche auf ihrem irdischen
Pilgerweg bei.» (352). Sie stehen – da dürfen wir
gewiss sein - besonders den Verantwortlichen in der Kirche
in ihrem Dienst bei: dem Papst, den Bischöfen und den
Priestern.