Das »Jahr Der Priester« im Opus Angelorum
Juni 2010

Teil 4: Maria und der Priester
Am 11. Juni, dem Hochfest des heiligsten Herzens JESU und zugleich Weltgebetstag um die Heiligung der Priester, wird unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. das von ihm ausgerufene »Jahr der Priester« mit einem feierlichen Pontifikalamt in Rom beenden. Der Papst hat zu diesem Anlass die Priester aus der ganzen Welt eingeladen, nach Rom zu kommen - ca. 6.000 Priester werden es schluss­endlich sein, die gemeinsam mit dem Nachfolger des heiligen Petrus das Priesterjahr beschließen. Natürlich soll mit dem Ende des »Jahres der Priester« unsere Sorge um die Priester nicht erlahmen und unser Gebet nicht aufhören - im Gegenteil. Viele Initiativen sind in diesem Jahr entstanden, viele haben sich zu Gebetsgruppen zusammengeschlossen, viele Mitglieder im OA haben sich bemüht, in diesem Jahr besonders für die Priester zu beten - auch in Gruppen z.B. durch die gemeinsame Feier der Passio Domini.

Papst Benedikt hat bei vielen Anlässen über das Jahr der Priester gesprochen, besonders über die Verantwortung der Priester für das Volk Gottes, über die Not­wendigkeit des Strebens der Priester nach Heiligkeit - denn davon hängt die Wirksamkeit ihres Dien­stes ab und besonders auch über die Notwendigkeit des Gebetes der Gläubigen für ihre Priester. Und der Heilige Vater hat bei vielen Gelegenheiten die Priester der Gottesmutter Maria anvertraut. Sie wurde von Gott auserwählt, Mutter seines Sohnes und unser aller Mutter zu sein. Durch ihre Mitwirkung beim Erlösungswerk ihres Sohnes, wurde Maria zur Mutter aller Menschen, aber ganz besonders zur Mutter der Priester.

Maria und der Lieblingsjünger
Bevor er stirbt, sieht Jesus unter dem Kreuz seine Mutter und den Lieblingsjünger. Mit den Worten: „Frau, siehe, dein Sohn!“ (Joh 19,26) verkündet er vom Kreuz herab feierlich die allumfassende Mutterschaft und Mittlerschaft Mariens. Die Tatsache, dass der Herr den Apostel Johannes auserwählte um in ihm alle seine Jünger Maria anzuvertrauen, hat eine tiefe Bedeutung im Plan Gottes. Warum gerade Johannes?

Er ist der „geliebte Jünger“, das Vorbild, sozusagen die Vorwegnahme aller Menschen, die vom Herrn berufen sind „geliebte Jünger“ zu sein. Darüber hinaus gehört Johannes zur Gruppe der ersten Priester und als solcher ist er „alter Christus“ (ein zweiter Christus). Am Gründonnerstag hatte er die Priesterweihe im Abendmahlssaal empfangen, als der Herr ihm und den anderen Aposteln den Auftrag gab: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“
(Lk 22,19) und ihm damit die Vollmacht übertrug, sein Kreuzesopfer zu erneuern. Als Priester ersetzt er gleichsam bei Maria Jesus, den einzigen Hohenpriester, der zum Vater zurückgekehrt und von nun an durch die Priester sein Heilswirken auf Erden fortführen möchte. So können wir uns vorstellen, dass Jesus neben Johannes schon alle seine zukünftigen Priester bis zum Ende der Zeiten vor Augen hatte und einen jeden einzelnen wie Johannes in besonderer Weise seiner Mutter anvertraute.

Maria, Mutter der Priester
Maria nimmt ihrerseits Johannes und in ihm jeden Priester als ihren „besonderen“ Sohn in ihr mütterliches Herz auf. Ihren Priestersöhnen bringt Maria eine besondere Liebe entgegen, und das aus zwei Gründen:
• erstens, weil sie Jesus, der höchsten Liebe ihres Herzens, ähnlicher sind und,
• zweitens, weil sie in besonderer Weise die Sendung haben, der Welt Christus zu verkünden, zu bezeugen und zu schenken.

Papst Benedikt XVI. sagt über die besondere Beziehung der Mutterschaft, die zwischen Maria und den Priestern besteht: „Durch seine Identifizierung und sakramentale Gleichgestaltung mit Jesus, dem Sohn Gottes und Sohn Mariens, kann und muss jeder Priester sich wirklich als besonders geliebter Sohn dieser erhabenen und zutiefst demütigen Mutter fühlen“ (12.8.2009).

Diese besondere Beziehung Mariens zu den Priestern ist bereits im Geheimnis der Menschwerdung verwurzelt. Durch ihr Ja-Wort wurde Maria zur Mutter des Ewigen Hohenpriesters. Sie hat ihn nicht nur in ihrem Leib getragen und geboren, sondern ihn darüber hinaus auch auf seine priesterliche Sendung vorbereitet.

War nicht das Haus von Nazareth in gewisser Weise das erste Priesterseminar und somit Maria als Mutter Jesu die erste Formerin des Priesters? Mit ihrer Fürsprache und mütterlichen Liebe wacht Maria weiterhin über das geistliche Wachstum derer, die zum Priestertum in der Kirche berufen sind. Ganz zu Recht weist Papst Johannes Paul II. darauf hin, dass jeder Aspekt der priesterlichen Ausbildung auf Maria bezogen werden kann
(vgl. Nachsynodales Schreiben »Pastores dabo vobis« 82). Von da her wollen wir die Priesterkandidaten der Mutter des Herrn anempfehlen, dass sie von Maria geführt immer mehr in ihre zukünftige priesterliche Sendung hineinwachsen mögen.

Jeder Priester: ein Sohn Mariens
Jesus sagte zu Johannes: „Siehe da, deine Mutter!“ (Joh 19,27). Damit gab er dem Lieblingsjünger den Auftrag, Maria wie seine eigene Mutter zu lieben und zu ehren. Diese Worte, die gleichsam am Anfang der Marienverehrung stehen, sind an einen Priester gerichtet. Können wir daraus nicht folgern, dass der Priester beauftragt ist, Maria in besonderer Weise zu lieben und die Verehrung Mariens im Volk Gottes zu fördern und zu entfalten?

Johannes, seinerseits, entsprach bereitwillig dem Auftrag des Herrn, wie uns das Evangelium berichtet: „Von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich“
(vgl. Joh 19, 27). Der Originaltext in Griechisch: „eis tà ìdia” ist viel tiefer und reichhaltiger. In seiner Enzyklika »Redemptoris Mater« schreibt Papst Johannes Paul II.: »Bekanntlich besagt der Ausdruck »eis ta idia« des griechischen Textes mehr, als dass Maria von dem Jünger lediglich für die äußere Unterbringung und Versorgung in seine Wohnung aufgenommen worden wäre; vielmehr bezeichnet er eine „Lebensgemeinschaft“, die sich zwischen beiden aufgrund der Worte des sterbenden Christus bildet: vgl. Augustinus, In Ioan. Evang. tract., 119, 3: CCL 36, 659: „Er nahm sie zu sich, nicht in sein Besitztum, weil er nichts zu eigen besaß, sondern in seine Verantwortung, der er mit Hingabe nachkam“«. (RM 45,130)

Wir können also über Johannes, den Priester unter dem Kreuz, sagen: Er nahm Maria in sein innerstes Leben, in sein innerstes Sein auf. Maria aufnehmen bedeutet demzufolge, ihr im eigenen Leben einen zentralen Platz einzuräumen, um alles durch, mit, in und für Maria zu tun. Die Kirche lädt daher die Priester ein, Maria als ideales Vorbild des eigenen Lebens zu betrachten und sie als »Mutter des höchsten und ewigen Priesters, als Königin der Apostel und Schützerin ihres Dienstes“ anzurufen und sie „mit kindlicher Ergebung und Verehrung hochzuschätzen und zu lieben«
(vgl. Presbyterorum ordinis, 18).

Gebet für die Priester
Der heilige Pfarrer von Ars, dessen wir in diesem Jahr der Priester besonders gedenken, pflegte zu sagen: »Nachdem Jesus Christus uns alles gegeben hat, was er uns geben konnte, will er uns noch das Kostbarste hinterlassen, was er hat: seine heilige Mutter.« Das gilt für uns alle. Maria ist unser aller Mutter. Sie liebt uns wie nur die Beste aller Mütter ihre Kinder lieben kann. Und doch gilt ihre mütterliche Sorge ganz besonders den Priestern, die ja durch ihre Berufung und Weihe ihrem göttlichen Sohn in besonderer Weise ähnlich geworden sind.

Beten wir darum, dass Maria den Priestern in allen Problemen und Schwierigkeiten, denen sie in der heutigen Welt ausgesetzt sind, als Mutter ganz besonders zur Seite stehen und sie dem Bilde ihres Sohnes Jesus Christus gleichgestalten möge. Helfen wir Maria in ihrer Muttersorge um die Priester, indem wir täglich für sie beten und unser Tagwerk für ihre Heiligung aufopfern. Empfehlen wir alle Priester dem mütterlichen Schutz Mariens und bitten wir sie um ihren mütterlichen Segen für jeden einzelnen Priester indem wir beten (oder singen):

Segne Du Maria, unsern Priesterstand,
reichen Segen spende, jeder Priesterhand.
Segne alle Priester, die auf Erden sind,
segne sie, Maria, mit dem lieben Kind!

Segne Du, Maria, jedes Priesterwort,
dass es Früchte trage in die Herzen fort.
Segne Du ihr Wirken für das Gottesreich,
mach durch Deinen Segen all dem Heiland gleich.

Segne Du, Maria, jedes Priesterherz,
lass es Jesus folgen in Freuden und Schmerz.
Stärke ihren Glauben, mehr der Hoffnung Licht,
segne ihre Liebe, lass sie wanken nicht.

Segne Du, Maria, jedes Priesterherz,
segne seine Freuden, segne seinen Schmerz.
Segne all sein Ringen, bis es sterbend bricht,

stehe ihm zur Seite auf dem Weg zum Licht!