Die "Passio Domini" im Opus Angelorum
März 2011

Teil 2: Die Todesangst JESU am Ölberg

Unter der "Passio Domini" verstehen wir die Zeit des heiligsten Erlöserleidens, insbesondere das Gedächtnis des Ölbergleidens jeden Donnerstagabend wie auch des Leidens und Sterbens JESU am Kreuz jeden Freitag Nachmittag. Mit inniger Anteilnahme und Liebe vereinigen sich alle Mitglieder im Werk der hl. Engel in dieser Zeit je nach persönlicher Möglichkeit mit dem Leiden und Sterben JESU. Im "Werk der hl. Engel" heißt es: Das Kreuz ist unser Wahrzeichen, die Passio Domini unser Kraftspeicher. Die Stunden der Passio Domini von Donnerstag Abend bis Freitag Nachmittag sind Gnadenstunden. Im OA setzt GOTT die hl. Engel und die Menschen besonders in dieser Gnadenzeit im Gebetskampf zur Rettung der Seelen ein, weil die Not dieser Zeit vor allem eine geistige, eine Glaubensnot ist, und der Engel in seiner Gottesschau unseren Willen und unsere Kräfte am besten lenken und stärken kann.
So steht in der Feier der Passio Domini vor allem die Sühne in der Mitte des Werkes, denn die Bereitschaft zum Opfer muss von innen her kommen. Wir stehen in dieser Gnadenzeit ein für die Not der hl. Kirche, für unseren Heiligen Vater und die Bischöfe, für die bedrängten und gefährdeten Priester, für die oft erkalteten Gottgeweihten - ja letztlich für alle Menschen, für die der Herr sein Blut vergossen hat. Wir dürfen in dieser besonderen Zeit der Gnade vor allem jene Menschen, die uns von GOTT anvertraut sind, stellvertretend mitnehmen und für sie um einen Blutstropfen des Erlöserblutes bitten als Symbol der Erlösung und Rettung.
Mit der Hilfe der hl. Engel lernen die Mitglieder des OA, die Größe der Erlösungstat der Herrn immer besser zu erfassen, sich bewusster in die Kreuznachfolge unseres Herrn JESUS CHRISTUS zu stellen und sich fürbittend und sühnend für das Heil der Seelen einzusetzen.
Der Todesangst JESU am Ölberg ist eine Tatsache, die in den Evangelien "auf vier Säulen" bezeugt wird, das heißt von allen vier Evangelisten. Aber jeder der Evangelisten hat dieser Begebenheit eine andere Koloratur gegeben, entsprechend der eigenen Sensibilität und den Bedürfnissen der Gemeinde, für die sie schrieben. Wir können das Ölbergleiden in wenigen Sätzen zusammenfassen und gewissermaßen im Geiste vor unseren Augen sehen:
JESUS, der sich von seinen Jüngern entfernt; der Kummer JESU, während er betet, dass der Kelch von ihm genommen werde; die liebevolle Antwort des VATERS, der einen Engel sendet, um ihn zu trösten; die Einsamkeit des Meisters, der dreimal seine Jünger schlafend vorfindet, anstatt, dass sie mit ihm beten; der Mut, der sich durch den endgültigen Entschluss dem Verräter entgegen zu gehen ausdrückt...
Fast drei Stunden war der Herr am Ölberg allein. Er ist in eine Dunkelheit sondergleichen hinausgegangen. Er hat alles lassen müssen, nur den Glauben hat er mitgenommen, dass die wenigen Getreuen, seine liebsten, tapfersten, anhänglichsten Getreuen bei ihm sein und mit ihm wachen werden. Er hat in der ersten Stunde den ganzen Abfall der Menschen von GOTT sehen müssen, ihre ganze Untreue, dieses "non serviam - ich will nicht dienen", das wie ein Unkraut die Welt überwuchert hat und bedecken wird bis zum Jüngsten Tag. Er hat zitternd seine geliebte Braut, die Kirche, gesucht, die sein Wort bewahren soll, die Schar der seinen, die er aussenden muss wie Lämmer unter die Wölfe ... und die Sorge hat ihn so gepeinigt, dass er mit wunden Knien aufstand und zu seinen Jüngern ging:
"Und Er fand sie schlafend!"
Der Herr ruft die Jünger und kann seinen Schmerz der Enttäuschung kaum verbergen. Sie wachen auf... Sie wollen schon mit ihrem Herrn wachen und beten, aber sie sind schwache Menschen - so wie wir. Und der Herr geht wieder hinaus in das Dunkel dieser Nacht, in seine Todesnot. Wie Qualm steigt hinter der bitteren Wahrheit der Schwäche der seinen das Millionenheer des Widersachers auf. Er sieht es hineinsteigen in das Haus GOTTES, das er doch gereinigt hat und immer noch durch die seinen ausschmücken wird. Und die Hölle bricht immer wieder ein...
Er ruft nach den Seinen. Aber wo sind sie? Mit der letzten Kraft schleppt er sich durch die Dunkelheit zu ihnen:
Sie schlafen.
Niemand hilft dem Herrn. Es geht in die dritte Stunde. MARIA auf der anderen Seite des Tales über dem Tal wacht und weint und betet mit ihm. So sagt Er müde und ergeben zu seinen Jüngern: "Schlafet nur" und geht allein wieder in Seine Todesnot. Das Herz der Mutter spürt Er in seinem Herzen. Diese Liebe verlässt Ihn nicht. In der schwersten Not, wenn das Blut ihm wie Schweiß ausbricht im Anblick der Gerechtigkeit GOTTES, die von ihm Genugtuung fordert für die gesamte Menschheitsschuld, wird ihre Liebe bei ihm sein.
Es sind uns wenig Worte überliefert aber dafür umso mehr die Gesten einer Person, die sich in Todesangst befindet: JESUS wirft sich "der Länge nach zu Boden", erhebt sich, um zu Seinen Jüngern zu gehen, kehrt zurück, um sich hinzuknien, dann steht Er erneut auf... Sein Schweiß ist wie Blut (vgl. Lk 22,44). Aus seinen Lippen ertönt die inständige Bitte: "Abba, VATER, alles ist Dir möglich. Nimm diesen Kelch von Mir!" (Mk 14,36).
JESUS steht allein vor jenem ungeheuren Schmerz, der ihn in Kürze übermannen wird. Die erwartete und gefürchtete "Stunde" des letzten Gefechts mit den Mächten des Bösen, die Stunde der großen Prüfung ist da. Aber der Grund für seine Angst geht noch tiefer: Er fühlt das gesamte Übel und alle Schlechtigkeit der Welt auf sich lasten. Nicht er hat dieses Übel begangen, aber er hat es freiwillig auf sich genommen: "Er hat unsere Sünden mit seinem Leib ... getragen." (1 Petr 2,24).
JESUS betet in Getsemani nicht nur, um uns ein Beispiel zu geben oder uns zu ermahnen, in der Prüfung zu beten. Er betet, weil er wahrer Mensch ist, "in allem uns gleich, außer der Sünde" (4. Euch. Hochgebet), und weil deshalb den gleichen Kampf erfährt wie wir, angesichts dessen, was der menschlichen Natur zuwider ist (vgl. dazu Hl. Maximus der Bekenner, In Mattheum 26,39 [PG 91, 68]).
Im Katechismus der katholischen Kirche steht in diesem Zusammenhang ein vielsagender Satz (478):
"JESUS hat während seines Lebens, seiner Todesangst am Ölberg und seines Leidens uns alle und jeden einzelnen gekannt und geliebt und sich für jeden von uns hingegeben: Der 'SOHN GOTTES' hat 'mich geliebt und sich für mich hingegeben' (Gal 2, 20). Er hat uns alle mit einem menschlichen Herzen geliebt. Aus diesem Grund wird das heiligste Herz JESU, das durch unsere Sünden und um unseres Heiles willen durchbohrt wurde, "als vorzügliches Kennzeichen und Symbol für jene ... Liebe angesehen, mit der der göttliche Erlöser den ewigen Vater und alle Menschen beständig liebt" (Pius XII., Enz."Haurietis aquas": DS 3924)
JESUS hat während seiner Todesangst am Ölberg "jeden einzelnen gekannt und geliebt" - und "er hat sich für jeden von uns hingegeben." Wir stellen uns die Todesangst JESU vielleicht zu sehr als etwas Kollektives und sehr Allgemeines vor, was in gewisser Weise auch zutrifft. Dabei vergessen wir oft, dass der Herr all dieses unaussprechliche Leid FÜR MICH PERSÖNLICH auf sich genommen hat, er hat JA gesagt zum Leiden FÜR MICH, er hat "mich geliebt und sich für mich hingegeben" (Gal 2,20). Jeder von uns kann dieses: FÜR MICH ganz persönlich sagen und im Herzen erwägen. JESUS hat mich mit einem menschlichen Herzen geliebt und es war inmitten seiner Todesangst am Ölberg seine freie Entscheidung der Liebe FÜR MICH zu leiden um MICH zu erlösen vom Tod der Sünde, vom ewigen Tod, von der ewigen Verdammnis. Schon diese ersten Augenblicke der Passio Domini offenbaren uns die nahezu unbegreifliche Liebe des Herrn.
Der heilige Leo der Große sagt, dass "das Leiden des Herrn bis zum Ende der Welt dauert" (Sermo 70, 5). Das spiegelt sich in der bekannten Meditation des Philosophen Pascal über die Agonie JESU wieder:
"CHRISTUS wird im Todeskampf bis zum Ende der Welt verweilen, [weil sich sein Leiden in seinem mystischen Leib der Kirche fortsetzt]. Während dieser Zeit dürfen wir nicht schlafen. Dann wird JESUS zu uns sagen: Ich dachte an dich in meiner Agonie: Jene Blutstropfen habe ich für dich vergossen. Willst du mein Blut empfangen, ohne dass du eine Träne vergießt?
Ich habe für dich alles getan ... Niemand würde für dich sterben in der Zeit deiner Untreue, so wie ich es für dich getan habe und so wie ich bereit bin, es in meinen Auserwählten und im Allerheiligsten Sakrament zu wiederholen" (B. PASCAL, Gedanken, 553).
Wir dürfen dankbar sein, am Donnerstag Abend gewissermaßen beim Herrn zu wachen und zu beten. Dann wir er eines Tages nicht zu uns sagen müssen, wie es der Psalmist vorausgesagt hat: "Umsonst habe ich auf Mitleid gewartet, auf einen Tröster, doch ich habe keinen gefunden" (Ps 69,21). Im Gegenteil, dann dürfen wir im Herzen das Wort, das alles entlohnt, hören: "Das habt ihr mir getan." (Mt 25, 40)