Die Aufgaben
der Engel
März
2005
Obwohl die Größe und Schönheit der heiligen Engel sehr viel
von Gott erkennen lässt, bringt Dieser die Offenbarung
Seiner Liebe durch die Natur des Menschen und in der Natur
des Menschen zum Abschluss. In diesen Offenbarungsweg
Gottes, der sich in der Menschwerdung Seines Sohnes
vollendet, sind die heiligen Engel in einer hervorragenden
Weise einbezogen. Sie dienen dem ganzen Schöpfungs- und
Heilswirken Gottes und können somit bei der Vollendung der
Heilsgeschichte nicht fehlen. Der Verfasser des
Hebräerbriefes fragt: „Sind sie (die Engel) nicht alle
dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das
Heil erben sollen“ (Hebr 1,14) ?
Die Engel
dienen dem ganzen Schöpfungs- und Heilswirken Gottes und
gehören so zur Heilsgeschichte voll dazu
Uns
Menschen würde erst klar, was uns abginge, wenn die Engel
ihr Wirken einstellten! Es müsste uns eine tiefe Ehrfurcht
und Liebe zu diesen hohen Geistern einflößen, wenn wir
bedenken, dass diese Gebirge an Kraft und voll ungeheuerem
Wissen, mit Liebe und Hingabe den Plänen Gottes für uns
kleine Menschen dienen.
Die hl. Engel lehren uns zuerst,
Gott zu loben und zu preisen und verbinden unsere kleine
Anbetung Gottes mit ihrem Lobgesang. Der Heilige Vater
beschreibt das sehr eindrücklich:
„Wir
stellen fest, dass die Heilige Schrift und die Tradition
speziell jene Geistwesen als Engel bezeichnen, die bei der
grundlegenden Prüfung sich in freier Entscheidung für Gott,
für Seine Ehre und für Sein Reich, entschieden haben. Sie
sind mit Gott verbunden in der verzehrenden Liebe, die aus
der beseligenden Schau der heiligsten Dreifaltigkeit von
Angesicht zu Angesicht hervorgeht. Jesus selbst hat gesagt:
‚Die Engel schauen stets das Antlitz Meines himmlischen
Vaters im Himmel’ (Mt.18,10) . Dieses ‚stets das Antlitz
des Vaters im Himmel schauen’ ist höchster Ausdruck der
Anbetung Gottes, ja man kann sagen, es stellt jene
‚himmlische Liturgie’ dar, die im Namen des gesamten
Universums vollzogen wird und die sich unaufhörlich mit der
irdischen Liturgie der Kirche verbindet, vor allem in den
Höhepunkten der Liturgiefeier: Es sei nur daran erinnert,
dass die Kirche sich täglich, ja sogar stündlich über die
ganze Welt hin zu Beginn des eucharistischen Hochgebetes im
Herzstück der heiligen Messe auf die Engel und Erzengel
beruft, um das Lob des dreimal heiligen Gottes zu singen
und sich so mit jenen ersten Anbetern Gottes in der
Verehrung und liebenden Anerkennung des unaussprechlichen
Geheimnisses seiner Heiligkeit zu
vereinen.” (Katechese vom 6. August
1986/5)
Die Engel
verbinden unsere kleine Anbetung Gottes mit ihrem Lobgesang
Aufgrund der Hl. Schrift
erfahren wir weiter, „dass der Schutz der
Menschen und die Sorge um ihr Heil Aufgabe der guten Engel
ist. Das finden wir an verschiedenen Stellen der Heiligen
Schrift zum Ausdruck gebracht, z.B. im Psalm 90/91: ‚Er (
Gott) befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all
deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein
Fuß nicht an einen Stein stößt’. Als Jesus einmal von den
Kindern sprach und die Mahnung gab, ihnen kein Ärgernis zu
geben, berief Er sich auf ‚ihre Engel’ (Mt 18,10) . Er
schrieb überdies den Engeln Zeugnisfunktion im Endgericht
Gottes über das Los derer zu, die Christus anerkannt oder
zurückgewiesen haben: ‚Wer sich vor den Menschen zu Mir
bekennt, zu dem wird Sich auch der Menschensohn vor den
Engeln Gottes bekennen. Wer Mich aber vor den Menschen
verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet
werden’ (Lk 12,8-9; vgl. auch Offb 3,5) . Diese Worte sind
bedeutungsvoll, denn wenn die Engel am Gericht Gottes
teilnehmen, so sind sie am Leben des Menschen interessiert,
ein Interesse und eine Anteilnahme ist das, wie dies in der
Rede Jesu über die Endzeit, in der Er die Engel auch bei
der Parusie, bei Seiner endgültigen Wiederkunft am Ende der
Geschichte, beteiligt sein lässt, besonders unterstrichen
wird.“
(Joh. Paul II., Katechese vom 6. August 1986/6)
Die Engel
sind um den Menschen und sein Heil besorgt
„Unter
den Büchern des Neuen Testamentes lässt uns besonders die
Apostelgeschichte einige Tatsachen erkennen, die bezeugen,
dass und wie die Engel um den Menschen und sein Heil
besorgt sind. So, wenn ein Engel Gottes die Apostel aus dem
Gefängnis befreit (Apg 5,18-20) , vor allem auch Petrus
befreit, der von Herodes mit dem Tod bedroht war (Apg
12,5-10) ”. (Ebd.) Es ist sehr aufschlussreich,
nachzulesen, mit welcher Fürsorge der hl. Engel den hl.
Petrus durch die höchste Gefahr hindurch (Wachen,
verschlossene Türen) ins Freie geleitet.
„Oder wenn ein Engel den heiligen Petrus bei all dem führt
und leitet, was dieser hinsichtlich des Hauptmanns
Kornelius, des ersten aus dem Heidentum Bekehrten,
unternimmt. Ähnliches gilt von dem, was Philippus auf der
Straße von Jerusalem nach Gaza getan hat“. (Ebd.) „Ein
Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und zieh nach
Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza
hinabführt“ (Apg 8,26) . Philippus gehorchte und traf dort
den Kämmerer der Königin der Äthiopier, der den Propheten
Jesaja las, ihn aber nicht verstand. Da legte ihm
Philippus, ausgehend von der Stelle, die er gelesen hatte,
das Evangelium von Jesus dar. So konnte der christliche
Glaube durch diesen einflussreichen Mann in ein fernes Land
gelangen. Die hl. Engel haben auf diese Weise die
Heidenmission eingeleitet und tatkräftig am Aufbau der
Kirche mitgewirkt. Sie sind heute nicht weniger tätig, wie
die weiteren Rundbriefe noch aufzeigen werden.
„Mit Hilfe dieser wenigen beispielhaft angeführten
Tatsachen lässt sich verstehen, dass sich im Bewusstsein
der Kirche die Überzeugung herausbilden konnte, dass den
Engeln zugunsten der Menschen ein Dienst anvertraut ist.
Darum bekennt die Kirche ihren Glauben an die Schutzengel
und verehrt sie mit einem eigenen Fest und empfiehlt uns,
wir sollten uns ihnen häufig im Gebet anvertrauen, etwa in
den bekannten Anrufungen des Schutzengels. Es ist, als ob
solche Gebete sich die schönen Worte des heiligen Basilius
zu eigen machten: ‚Jeder Gläubige hat einen Engel als
Beschützer und Hüter neben sich, der ihn zum Leben führen
soll’”. (Ebd.)
Auch die
stoffliche Schöpfung wird von heiligen Engeln behütet
Die hl.
Engel sind aber nicht nur mit dem Menschen verbunden und
sorgen für ihn, sondern mit der ganzen Schöpfung, ja, sie
stehen hinter all den geschaffenen Wesenheiten. Der für das
moderne theologische Denken so bedeutungsvolle Kardinal
Newman schreibt in seiner „Apologia pro vita
sua” im
ersten Kapitel über dieses Verhältnis der Engel zur
sichtbaren Welt:
„Vermutlich verdanke ich
hauptsächlich der Schule von Alexandrien und der Urkirche
meine endgültige Auffassung von den Engeln. Ich sah in
ihnen nicht bloß Diener, die vom Schöpfer in der jüdischen
und christlichen Offenbarung verwendet wurden, wie wir es
auf den ersten Blick in der Schrift finden, sondern auch
die Vollstrecker der sichtbaren Weltordnung, wovon die
Schrift ebenfalls Zeugnis gibt. Ich betrachte sie als die
wirklichen Ursachen der Bewegung, des Lichtes, des Lebens
und jener elementaren Prinzipien des physischen Universums,
die, wenn sie in ihren Entwicklungen unseren Sinnen
zugänglich werden, uns den Begriff von Ursache und Wirkung
und von dem, was man Naturgesetze nennt, geben. Ich habe
diese Lehre in meiner Predigt auf den Tag des hl. Michael,
die im Jahre 1831 geschrieben wurde, eingehend behandelt.
Darin heißt es von den Engeln: Jeder Luftzug und
Lichtstrahl, jede Wärmewelle und jeder schöne Anblick ist
wie der Saum ihres Gewandes, das Wehen der Gewänder jener,
die Gott schauen. Und ich frage weiter, was wohl ein Mensch
denken würde, der eine Blume, eine Pflanze, einen Stein
oder Lichtstrahl untersucht und diese Dinge nach ihrer
Existenzform als tief unter ihm stehend betrachtet, und der
sich dann plötzlich einem mächtigen Wesen gegenübersähe,
das unter den sichtbaren Dingen, welche er eben
untersuchte, verborgen war und denselben als Werkzeug
Gottes Schönheit, Anmut und Vollkommenheit gab, ohne dass
seine weise Hand wahrzunehmen war; ja, dessen Gewand und
Schmuck die Dinge waren, die er (der Mensch) zergliedern
wollte. Darum fügte ich bei, dass wir mit den drei Männern
im Feuerofen voll Dankbarkeit und Herzenseinfalt sprechen
sollten: O all ihr Werke des Herrn … lobt und preiset den
Herrn und verherrlicht ihn in
Ewigkeit.”
Zum Abschluss noch ein Wort des Heiligen Vaters über die
Verehrung der hl. Engel: „die im Glauben vollzogenen
Begegnung mit der Welt der reinen Geistwesen wird für den
Menschen zu einer kostbaren Offenbarung seiner eigenen,
nicht nur leiblichen, sondern auch geistigen Natur und
seines Einbezogenseins in einen wahrhaft großartigen und
wirksamen Heilsplan mit einer Gemeinschaft von personalen
Wesen, die für den Menschen und mit dem Menschen den Plänen
der Göttlichen Vorsehung dienen.” (Joh. Paul II., Katechese vom
6. August 1986/4) .
Ein Gebet, genommen aus dem Gotteslob (Nr. 34,1):
Heiliger Schutzengel, Gottes liebende Sorge hat dich mir
zum Begleiter gegeben.
Du bist sein Anruf an mein
Gewissen: Verhilf mir zu klarer Entscheidung.
Du bist
seine führende Hand: Bleibe bei mir Tag und Nacht:
Du bist
sein machtvoller Arm: Kämpfe mit mir für sein Reich.
Amen.