Die "Passio Domini" im Opus Angelorum
Juni 2013

Teil 10: Der Freitag in der PASSIO DOMINI

Die Liebe unseres Herrn unseres GOTTES steht immer über uns. Die Liebe des Schöpfers hat uns erschaffen, die Liebe des Erlösers hat uns den verloren gegangenen Weg wieder neu erschlossen, die Liebe des Trösters hebt uns immer wieder auf und gibt uns Kraft zur Antwort auf die Liebe GOTTES. Diese Antwort können wir immer geben durch unser Ja zum Willen GOTTES, durch die Bereitschaft zum Opfer aus Liebe. Ist denn in diesem Sinne die PASSIO DOMINI nicht reinste Liebe, wahrste Liebe?

Die Tiefe der Liebe erkennt man an der Größe des Opfers. Darum steht die PASSIO DOMINI im Zentrum der Erlösung und der ganzen Menschheitsgeschichte, sie soll auch in unserem Leben im Zentrum stehen. Ein Mensch, der heute am Leiden CHRISTI, an der Größe des Beweises Seiner Liebe vorbeigeht, weil es ihm nichts mehr sagt, dem ist das Licht der wahren, echten Liebe entweder nie aufgegangen oder schon verlöscht. Jeder Zeit und jedem Volk hat das Kreuz etwas zu sagen; jeder Mensch, der an der Hand seines Engels hellhörig durchs Leben geht, spürt diesen Herzschlag der göttlichen Liebe im Schmerzhaften Rosenkranz, im Kreuzweg, in der stillen Anbetung der Donnerstag- oder besonders in den Kreuzesstunden am Freitag.

So ist für uns im Werk der Heiligen Engel der Freitag ein besonderer Tag, der Tag der Erlösung, den wir wie einen Einkehrtag in Alltag verbringen. Wie du den Freitag auf Erden hältst, wird dein Gericht nach dem Tode sein und dein Einzug in die Ewigkeit. An der Art und Weise, wie jemand im OA den Freitag hält, erkennt man seine Geisteshaltung und seine Liebe zum leidenden Herrn. Und nur wer den Freitag gut hält und mit dem Herrn den Kreuzweg geht, für den kommt auch der wahre Ostermorgen jeden Sonntag, für den ist der Sonntag wahrhaftig der "Tag des Herrn", der "Tag der Auferstehung". Nur durch den Freitag wird der Sonntag fruchtbar. Im Statut des Heiligen Stuhls für das Opus Angelorum heißt es:

Der Freitag wird heilig gehalten als Tag des Kreuzes, der Sühne und Gnade (vgl. KKK 1438; can. 1250). Die Mitglieder betrachten den Kreuzweg des Herrn und halten nach Möglichkeit eine Zeit zwischen 12 und 15 Uhr (vgl. Mt 27,45-50; Joh 19,23-30) zum Gebet frei, vorzugsweise in der Todes­stunde des Herrn gegen 15 Uhr. Sie widmen sich - unter Wahrung der Standes­pflichten - eine angemessene Zeit der Betrachtung des Gekreuzigten (Sieben Worte) und der Fürbitte! (OA-Statut, 27)

Jedes Mitglied im OA versucht den Freitag in einer bewussten Samm­lung und Stille zu verbringen und wird wenigstens die Mittagszeit benützen, den Kreuzweg zu beten oder sich ins Gebet zurückzuziehen. An keinem andern Tag erklingt des Herrn Wort: "Komm, folge Mir nach!" so deutlich wie am Freitag. So werden wir im Werk der heiligen Engel jeden Freitag im Miterleben der PASSIO DOMINI immer stiller, schweigender, gesammelter verbringen. Wir werden oft zum Kreuz schauen und sagen: "Herr, ich bin bei Dir!" oder "Herr, ich begleite Dich!"

Geistigerweise stehen wir in diesen Stunden wie MARIA und Johannes bei der 4.Station am Rand des Kreuzweges und erwarten den Herrn, wenn er vorübergeht um Ihn zu begleiten, Ihm aufzuhelfen versuchen, Ihn anzubeten, Ihn zu trösten, Ihn um Erbarmen bitten - geht Er doch Woche um Woche in und mit uns den gleichen Kreuzweg der Erlösung. Was wird in einer Woche an Schuld nur allein in Seiner eigenen Kirche aufgehäuft! Wir sind mit zur Sühne aufgerufen; die Sühne steht als Zentralforderung in der Mitte des Werkes. So müssen wir mithelfen durch unsere Liebe, unser Opfer, unsere Sühne. "Einer steht für den anderen da" - das ist die wahre "Bekehrung zur Rettung der Welt".

Wir dürfen dankbar sein, dass wir im Werk der hl. Engel in besonderer Weise gerufen sind, am Donnerstag Abend mit dem Herrn zu wachen und am Freitag mit MARIA und Johannes unter dem Kreuz auszuharren. Dann wird Er eines Tages nicht zu uns sagen müssen, wie es der Psalmist vorausgesagt hat: "Umsonst habe ich auf Mitleid gewartet, auf einen Tröster, doch ich habe keinen gefunden" (Ps 69,21). Im Gegenteil, dann dürfen wir im Herzen das Wort, das alles entlohnt, hören: "Das habt ihr mir getan" (Mt 25, 40).

Die Feier der PASSIO DOMINI zeigt uns Woche für Woche, dass das Heil der Seelen das oberste Ziel im Opus Angelorum ist, auf das letztlich all unser Tun und Leiden hingeordnet sind. Wir sollen mit dem Herrn dürsten nach der Rettung der Seelen. So heißt es im Statut des OA:

Das OA setzt sich für diesen "Durst" des Herrn nach der Rettung der Seelen und der Erlösung der Menschheit ein in Gemeinschaft mit den hl. Engeln, "den dienenden Geistern", die ausgesandt sind, "um denen zu helfen, die das Heil erben sollen" (Hebr 1,14; vgl. OA-Statut 50).

Freitag - Wort und Zeichen des Kreuzes

Das Kreuz ist "der Überfluss der Liebe GOTTES, die auf diese Welt überströmt" (VC 24). In diesem Zeichen und Werkzeug unserer Erlösung wurden wir mit GOTT versöhnt (Eph 2,16), Der in CHRISTUS alles vereinen will, was im Himmel und auf Erden ist (vgl. Eph 1,10; Kol 1,20). Darum steht das Kreuz in der Mitte des Werkes, der Gemeinschaften und des Lebens der Mitglieder. Jeder soll ein kleines Kreuz bei sich tragen, mit dem Kreuz segnen und abschirmen. (OA-Statut, 27).

Unser Herr JESUS CHRISTUS hat uns durch Sein Leiden und Seinen Tod am Kreuz erlöst. Deshalb ist das Kreuz vielmehr Symbol des Heiles und des Lebens als Symbol des Leidens und des Todes. Papst Franziskus hat zum Abschluss des Kreuzweges beim Kolosseum am Karfreitag 2013 folgende Worte gesagt:

In dieser Nacht muss ein einziges Wort verbleiben - das Kreuz. Das Kreuz Jesu ist das Wort, mit dem GOTT auf das Böse der Welt geantwortet hat. Manchmal scheint es uns, als antworte GOTT nicht auf das Böse, als verharre er im Schweigen. In Wirklichkeit hat GOTT gesprochen, er hat geantwortet, und seine Antwort ist das Kreuz CHRISTI: ein Wort, das Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung ist. Es ist auch Gericht: GOTT richtet uns, indem er uns liebt. Wenn ich seine Liebe annehme, bin ich gerettet, wenn ich sie ablehne, bin ich verurteilt, nicht von ihm, sondern von mir selbst, denn GOTT verurteilt nicht, er liebt nur und rettet. Liebe Brüder und Schwestern, das Wort vom Kreuz ist auch die Antwort der Christen auf das Böse, das immer noch in uns und um uns wirkt. Die Christen müssen auf das Böse mit dem Guten antworten, indem sie wie JESUS das Kreuz auf sich nehmen."

Nehmen wir bewusst täglich, aber besonders jeden Freitag unser Kreuz auf uns und auch stellvertretend im Geist der Sühne das Kreuz des Anderen - ja wie Simon von Cyrene das Kreuz CHRISTI.