Die heiligen
Engel in der heiligen Schrift - Teil 3
Juni
2006
Wir haben uns im letzten Rundbrief gewissermaßen auf eine
Wanderung durch das Alte Testament gemacht und gesehen,
dass die großen Gestalten des Alten Bundes wie z.B.
Abraham, Jakob, und Moses zahlreiche Begegnungen mit Engeln
hatten. Die Engel treten in der Heiligen Schrift auf als
Botschafter Gottes, sie greifen im Namen Gottes helfend und
warnend ein. Als Diener des Allmächtigen sind sie ganz auf
die Verherrlichung des Herrn ausgerichtet und „denen zu
Hilfe gesandt, die das Heil erben sollen.“
(Hebr
1,14).
Wir wollen unsere „Wanderung“ durch das Alte Testament
fortsetzen mit weitern großen Gestalten des Alten
Testamentes, die engen Kontakt zu den heiligen Engeln
hatten. Dabei soll es uns wieder in erster Linie um die
Worte der Hl. Schrift selbst gehen, die uns anregen sollen,
selbst nachzulesen und die Bibelstelle im betrachtenden
Gebet zu überdenken.
David
David war der jüngste der acht Söhne des lsai aus Bethlehem
(vgl. 1 Sam
16,1-11) , der
Urenkel des Boas und der Moabiterin Ruth
(Rut
4,18-22) . Als Hirt
der Schafe seines Vaters zeigte er sich zuverlässig und
mutig, vor allem demütig und deshalb ein Mann nach dem
Herzen Gottes (vgl. 1 Sam
13,14) . Darum
sandte der Herr, nachdem Saul wegen seines Ungehorsams
verworfen worden war, den Propheten Samuel, um David im
Beisein seines Vaters und seiner Brüder zum König und
Nachfolger Sauls zu salben.
Davids Glaube an die Existenz der Engel und ihr Eingreifen
in das Geschehen der Menschen und Völker im Auftrag Gottes
kommt in jenen Psalmen
zum Ausdruck, die
gemäß der biblischen Überlieferung König David zum Urheber
haben.
So weiß er sich vertrauensvoll umgeben vom Schutz Gottes
und Seiner Engel. Im Kampf gegen Goliath sagt er: „Du
kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich
aber komme zu dir im Namen des Herrn der Heere [der
Engelscharen]“ (1 Sam
17,45).
David weiß sich geborgen unter den Flügeln der Engel, wie
es im Psalm 91 (90) heißt: „Denn der Herr ist deine
Zuflucht, du hast dir den Höchsten als Schutz erwählt. Dir
begegnet kein Unheil, kein Unglück naht deinem Zelt. Denn
er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen
Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß
nicht an einen Stein stößt.“ (Ps 91,9-12) . In diesem Psalm
drückt David aus, dass Gott die Seinen durch die Engel
wunderbar beschützt. Gott Die hat die himmlischen Geister,
seine unmittelbaren Diener, zum Schutz der Gläubigen
aufgeboten; sie sollen die Gerechten überall begleiten und
auf allen ihren Wegen behüten. Wohin sie gehen, sollen
Engel sie beschützen; wenn ihnen Gefahren drohen, sollen
Engel sie warnen und vor Unheil bewahren; wie eine gute
Mutter auf steinigem Weg ihr kleines Kind sorgsam auf ihre
Arme nimmt und trägt, damit es nicht fällt, so mütterlich
sollen die Engel um ihre Schützlinge besorgt sein, damit
sie auf ihren Lebenswegen nicht straucheln und stürzen. Wer
von den Engeln behütet und getragen wird, kann getrost über
alle Gefahren hinwegschreiten, sie werden ihm nicht schaden
können. Das war die gläubige Überzeugung des
Psalmendichters David.
Die Engel haben aber nach der Überzeugung des Königs David
nicht nur die Aufgabe, uns Menschen zu beschützen, sie
sollen vor allem auch mit uns Menschen Gott unseren
Schöpfer loben und preisen. Daran werden wir im Psalm 103
erinnert, wo die himmlischen Geister aufgefordert werden:
„Lobt den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die
seine Befehle vollstrecken, seinen Worten gehorsam! Lobt
den Herrn, all seine Scharen, seine Diener, die seinen
Willen vollziehen!“
Zum Lob Gottes muss der Dank an Ihn hinzukommen. Darum das
Bekenntnis Davids im Psalm 138,1: „Ich will dir danken aus
ganzem Herzen, dir vor den Engeln singen und spielen.“
Dieser 138. Psalm ist wohl durch irgendeine göttliche
Befreiungstat, die König David an sich und seinem Volk
erfahren hat, veranlasst. Davids Herz ist voll des Dankes.
Bei jedem Herzschlag möchte er Gott danken und ihn preisen.
Wo der Herr so Grosses an ihm und dem ihm anvertrauten Volk
getan hat, da kann sich seine Seele nicht zufrieden geben,
„in verschlossener Kammer leise in die Harfe zu greifen, es
drängt sie hin zum Gotteshaus. Dort, wo der Allgütige
thront, wo Er von Myriaden von Engeln umgeben im
Allerheiligsten wohnt, dort will er sein „Te-Deum“ singen
... Dort, wo die Engel unaufhörlich ihr „Heilig, heilig,
heilig“ singen, da will er den Namen des Allerhöchsten
preisen und ihm danken für die Wundertaten seiner Huld und
Treue“ (E. Kalt, Die
Psalmen, Freiburg 1935, 490)
Und noch einmal werden die Engel in einem Hallel-Psalm zum
Lob Gottes aufgerufen: „Halleluja! Lobt den Herrn vom
Himmel her, lobt ihn in den Höhen: Lobt ihn, all seine
Engel, lobt ihn, all seine Scharen“ (Ps 148,1-2) . In diesem Psalm, in
welchem Himmel und Erde, im einzelnen dann Sonne, Mond und
Sterne, die Elemente, Berge und Hügel, Kriechtiere und
Vögel, Könige und Fürsten, die Alten und die Jungen,
aufgefordert werden, Gott, den Schöpfer, zu loben und zu
preisen, da ergeht zuerst an die Engel, die allzeit das
Angesicht Gottes schauen, die Bitte, den Lobgesang auf Ihn
anzustimmen und dem Gesang der ganzen Schöpfung den rechten
Wohlklang mit ihrer himmlischen Sprache zu verleihen.
David erlebt die hl. Engel aber nicht nur als helfende und
schützende Geister, sondern auch als Boten und Vollstrecker
des Willens Gottes, auch der Strafe Gottes.
Als David eine Volkszählung durchführte, wurde von Gott als
Strafe die Pest über das ganze Volk verhängt, wobei „aus
dem Volk von Dan bis Beerscheba 70 000 Mann starben“
(2 Sam 24, 15) . Die von David
veranlasste Volkszählung war eine Sünde des Stolzes gegen
Gott, zu der ihn der böse Feind verführte. „Der Satan trat
gegen Israel auf und reizte David, Israel zu zählen“
(1 Chr
21, 1) David wollte
den Segen Gottes „überprüfen“, der sich nach
alttestamentlichem Verständnis im Wachstum des Volkes
ausdrückte. Dabei erlebte er eine eigenartige
Engel-Begegnung, von der im 2. Buch Samuel folgendes
berichtet wird: „Als der Engel seine Hand gegen Jerusalem
ausstreckte, um es ins Verderben zu stürzen, reute den
Herrn das Unheil, und er sagte zu dem Engel, der das Volk
ins Verderben stürzte: Es ist jetzt genug, lass deine Hand
sinken! Der Engel war gerade bei der Tenne des Jebusiters
Arauna. Als David den Engel sah, der das Volk schlug, sagte
er zum Herrn: Ich bin es doch, der gesündigt hat; ich bin
es, der sich vergangen hat. Aber diese, die Herde, was
haben denn sie getan? Erheb deine Hand gegen mich und gegen
das Haus meines Vaters!“ (2 Sam
24,16-17) .
David sündigte und dennoch wurde das ganze Volk bestraft.
Der hl. Gregor sagt, dass auch das Volk Schuld trage, weil
es David zu dieser Sünde des Stolzes verleitet hat (vgl.
hl. Gregor, lib 28 Moral. cap
4) .
Wir sehen gerade am Beispiel von David, dass die hl. Engel
Diener Gottes sind, Seinen Willen erfüllen und
vollstrecken, sei es im Schutz und in der Hilfe am
Menschen, sei es, um den Menschen zu erziehen oder zu
bestrafen.
Elia
Auch das Leben und die Sendung des Propheten Elia ist vom
Wirken der hl. Engel umgeben. Wir wollen nur eine Episode,
die uns das Buch der Könige überliefert herausnehmen und
näher betrachten:
Als die Königin Izebel Elia mit dem Tod drohte, weil er als
von Gott beauftragter Prophet ihren Götzendienst
verurteilte, floh er über Beerscheba hinaus in die Wüste.
Hier kam es zu einer Begegnung mit
einem Engel.
Sie wird uns in der Hl. Schrift folgendermaßen geschildert:
„Elia
geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein
Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ
dort seinen Diener zurück. Er selbst ging eine Tagereise
weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen
Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist
es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser
als meine Väter. Dann legte er sich unter den
Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn
an und sprach: Steh auf und iss! Als er um sich blickte,
sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche
gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank
und legte sich wieder hin. Doch der Engel des Herrn kam zum
zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!
Sonst ist der Weg zu weit für dich. Da stand er auf, aß und
trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig
Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg
Horeb.“ (1 Kön
19,3-8).
„In der
Kraft dieser Speise - so sagt die Hl. Schrift - ging Elia
seinen Weg, fand Gott, fand Klarheit über seinen Auftrag
und kehrte nach kurzer Zeit wieder zurück in sein Land und
an seine Arbeit. ... Es kann sein, dass wir eines Tagen
sagen: Ich habe genug. Ich will nicht mehr. Ich kann nicht
mehr. Ich sehe keinen Sinn mehr. Es kann geschehen, dass
wir uns geistig oder leiblich niederlegen, die Augen
schließen und denken: Wenn ich nur jetzt nicht mehr
aufwachen müsste! Dann wäre alles Leid und alles Elend zu
Ende. Und dann
geschieht es, dass Gott uns durch einen Engel sozusagen auf
die Schulter klopft und sagt: ,Steh auf!
Du hast noch
etwas vor dir!‘ Dass er uns neue Kräfte gibt, so dass die
Resignation weicht, die Enttäuschung über das, was gestern
war, und die Angst vor dem, was morgen sein wird. Wir sehen
wieder einen Weg, einen Auftrag und ein
Ziel.“
(Jörg Zink)
Gewiss dürfen wir in diesem Geschehen auch einen
alttestamentlichen Hinweis auf das Sakrament der hl.
Eucharistie sehen. Kraft dieser sakramentalen Speise, die
„Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“
(2. Vat.
Konzil, LG 1) ist, dürfen auch wir unseren
irdischen Pilgerweg gehen um immer wieder neuen Mut, neue
Kraft, neue Liebe schöpfen. Und die hl. Engel sind es, die
uns zu diesem Sakrament führen.